Archive Pierre´s Special

Dialog mit meinem Murmeltier (6)

Das Murmeltier:
Ihr Menschen solltet euch an uns Murmeltieren ein Beispiel nehmen. Trotz der Hektik der modernen Welt, gönnen wir uns den Winterschlaf. Wir nehmen uns die Zeit, immer wieder zu uns zu finden, mit dem Bewusstsein, dass wir nur auf Miete hier sind. Es geht mir vor allem darum, mit meinem Geist im Einklang zu sein.

Pierre:
Du hast leicht reden, mein Murmeltierchen. Wer jagt dich durch die Existenz? Bist du auf Ansehen angewiesen, um überstehen zu können? In deinem Bau lebst du in Sicherheit. Deine Mitbewohner setzen dich nicht unter Druck. Du hast wenigstens Zeit genug, um nachzudenken.

Das Murmeltier:
Wenn es so idyllisch wäre, würde ich die „Hymne an die Freude“ lautstark singen. Das kannst du dir aber abschminken. Im Sommer leben wir in Gefahr, unsere Feinde haben es auf uns abgesehen. Wenn wir uns zu weit vom Bau befinden, kann es das Aus bedeuten. Der Adler wartet nur auf die Gelegenheit um uns zu entführen und dann zu verspeisen.

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Dialog mit meinem Murmeltier (5)

Das Murmeltier:
Siehst du Pierre, in meinen Bau kann ich mich immer zurückziehen. Wir Murmeltiere schätzen sehr die Ruhe, die uns unsere Bleibe vermittelt. Zeit, über die Menschen nachzudenken und zu versuchen, sie besser zu verstehen.

Pierre:
Ich glaube, dass ihr weniger einsam seid als wir. Wir glauben, unser Glück zu finden, indem wir immer nach etwas Neuem suchen. Oft bleibt uns nicht einmal die Zeit, Wahrnehmungen zu registrieren. Wir sind halt Überflieger und leiden letztendlich sehr darunter.

Das Murmeltier:
Weil ihr von der merkwürdigen Vorstellung eingefangen seid, dass Liebe nur im Leid wirklich erlebt werden kann. Das ist doch ein Widerspruch! Das Schöne sollte nur Wohl mit sich bringen. Siehst du das nicht so, Pierre?

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Dialog mit meinem Murmeltier (4)

Pierre:
Mit der Leidenschaft ist das so eine Sache. Es ist nahezu unmöglich, sie zu steuern, sie kennt keine Logik, keinen Verstand. Sonst könnte sie nicht bestehen. Das Irrationale bestimmt sie und gibt ihr Leben. Und der Verstand? Er schaltet sich dabei ab!

Das Murmeltier:
Gäbe es nichts Schlimmeres als Leidenschaft erklären zu müssen? Sie überfällt uns, ob wir es wollen oder nicht. Auch wenn wir sie nicht gewähren lassen wollen, nimmt sie uns in ihre Arme und lässt uns nicht los.

Pierre:
Leidenschaft ist immer Liebe, auch wenn es sich um das Kreative handelt. Ein Künstler oder ein Schriftsteller ist ohne sie gelähmt. Das Blattpapier bleibt unberührt, drückt nur Leere aus, wenn sie abhanden geht.

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Dialog mit meinem Murmeltier (3)

Das Murmeltier:
Nein, ich lasse nicht meine Erotik durch den Kakao ziehen. Sie klebt mir auf die Haut wie Blattgold! Warum sollte ich mich schämen, Pierre? Ich möchte sie deshalb zum Ausdruck bringen, auch wenn sie manchmal falsch verstanden werden kann.

Pierre:
Sie ist Teil von dir! Ich denke, dass ihr Murmeltiere viel vernünftiger damit umgehen könnt als die Menschen, die sich etwas vormachen!

Das Murmeltier:
Der feine Unterschied ist, dass wir uns in der Tierwelt nicht mit einer falschen Moral belasten, wir sind so wie wir sind. Niemand würde auf den Gedanken kommen, mich im Internet anzumachen, weil ich gerne mein Outfit pflege.

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Dialog mit meinem Murmeltier (2)

Pierre:
Hast du nicht Angst, dass du etwas verschlafen könntest? Dass dir die große Liebe abhanden werden könnte?

Das Murmeltier:
Ihr Menschen macht uns Murmeltiere mit eurer Ungeduld verrückt. Es ist schon zu kotzen, welche Show ihr mit der Liebe abzieht. Wie sie in den Medien durch den Wolf gedreht wird, ist sie nicht einmal für einen Hamburger brauchbar. Sie wird in eine fade, ungenießbare Masse verwandelt.

Pierre:
Deshalb überfallen mich bei Facebook zahlreiche alte Schachteln, die von mir ein wenig Erotik geschenkt haben wollen. Liebe ist zur Billigware geworden. Austauschbar. Du Murmeltier, ich habe eine Frage: gibt es bei euch auch Puffs?

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Dialog mit meinem Murmeltier (1)

Das Murmeltier:
Du Pierre, ich schlafe, ohne zu schlafen! Das ist die Eigenschaft eines Murmeltiers. Während ich überwintere, läuft mein Gehirn auf vollen Touren. In der Ruhe schöpfe ich meine Inspiration, Träume werden wach, die sonst nie zustande kämen.

Pierre:
Meinst du damit deine innersten Wünsche? Deine Sehnsüchte?

Das Murmeltier:
Es ist doch wie die Liebe. Sie lässt sich nicht definieren. Sie überfällt dich so über Nacht, ohne dass du dich dagegen wehren könntest. Wir Murmeltiere bleiben davon keineswegs verschont. Um sie aber nicht zu gefährden, verschlafen wir sie manchmal lieber.

Pierre:
Das ist mir zu abstrakt! Soll Liebe nicht erlebt werden und sich wie ein Lauffeuer verbreiten? Glut ist manchmal unsichtbar, aber bei der leichtesten Brise kann sie sich in einer Flamme verwandeln, die nicht mehr zu bremsen ist. So wunderbar oder schmerzlich es auch sein mag, das ist Leben!

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Dialog mit meiner Putzfrau

Frau Putzlappen:
Ihre Wohnung ist ein Saustall, nur Intellektuelle können sich so gehen lassen. Sie sollten sich schämen! Wenn ich an ihrer Stelle wäre, würde ich die ganzen Bücher verbrennen. Kann das Gedruckte uns ernähren? Haben sie versucht, das Alphabet zu verzehren? Wenn ja, sind sie dabei satt geworden?

Pierre:
Kommen sie mir nur nicht mit der Macke des armen Poeten! Was wären wir ohne die Kultur?

Frau Putzlappen:
Das ich nicht lache! Wenn die Kultur uns Frieden gebracht hätte, würde ich diesen ganzen Unsinn noch ertragen. Ich kann aber nur feststellen, dass nur Mord und Totschlag daraus entsteht. Was nützt mir das ganze „feinfühlige“ Gerede über die Hintergründe des Daseins, wenn es am Ende nur Vergewaltigungen gibt?

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Dialog mit Karl Marx

Karl Marx:
Heute können wir die Sau rauslassen, es ist der 1. Mai! Der Tag der Liebe, der Maiglöckchen, der Maibäume, der Maitänze, der Mai-Matratzen…

Pierre:
Hast du vergessen, dass der 1. Mai der Tag der Arbeit ist? Welcher Depp konnte solch einen Schwachsinn erfinden? Ich plädiere dafür, ihn in den Tag der Faulheit zu verwandeln! Was habe ich von der Arbeit, wenn ich am Ende doch krepiere? Arbeiten die Toten?

Karl Marx:
Lenin hat mir gerade geschrieben, dass er mein „Kapital“ neu verfasst. Er ist sich bewusst, dass der Kommunismus zur Impotenz geführt hat und will daran etwas ändern. In Zukunft soll Viagra kostenlos verteilt werden und das im Namen der reinen Lehre! Eigentlich dreht sich alles nur um den Schwanz und die Muschi!

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Dialog mit meiner Muse

Die Muse:
Pierre, wenn ich dich so sehe empfinde ich nur Leere. Mit deinen blöden Sprüchen gehst du mir gewaltig auf den Wecker!

Pierre:
Oh, du meine Muse! Mit deinem hängenden, vertrockneten Busen vermittelst du mir nur den Blues! Was soll in meiner Birne entstehen, wenn ich dich so sehe? Du erscheinst mir wie eine ausgelutschte Dirne. Nur Getue! Eigentlich solltest du einsehen, dass du in dieser abgefackelten Welt nichts mehr zu verlieren hast. Wer sehnt sich noch nach dem Schönen? Ein paar impotente Gestalten, die keinen mehr hoch bekommen!

Die Muse:
Banause! Hast du nichts vom Schöngeist gehört? Er allein macht euer Dasein auf dieser beschissenen Welt erträglich. Hätten wir nicht die Worte um den Frühling hoch zu loben, wäre nur Dürre angesagt! Die Liebe braucht Poesie!

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Die Kunst, sich kurz zu halten!

Hallo! Hier die Gelegenheit, sich kurz zu fassen – das betrifft auch die Liebe. Am besten per Internet oder SMS. Habe mich der heutigen Zeit angepasst! Bin selbst zu einem Twitter mutiert! Ich muss unbedingt mein romantisches Anmache-Repertoire verfeinern. Sag mir, ob das dir passt oder nicht, du holde Facebook-Freundin! Ich bin so offen, jedem meine geile Sprüche zur Verfügung zu stellen und das im Dienste der deutschen Kultur.

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Der virtuelle Puff

Nichts gegen Facebook solange es ein Austauschforum ist. Die Gelegenheit, alte Freunde wieder zu finden und mit ihnen in den Dialog zu kommen. Auch beruflich ergibt dieses Portal einen Sinn. Ideen werden ausgetauscht und mit Partnern entwickelt. Politisch kann sowohl Facebook wie auch Twitter sehr gute Dienste zur Demokratie leisten. Der arabische Frühling – so ermattet er auch heute sein mag – wäre ohne dieses Medien kaum denkbar gewesen. Eine neue Art, sich direkt einzumischen, die Willkür der Macht zu erschüttern. Zwangsläufig gibt es auch Schattenseiten und oft werden die Foren missbraucht, um den Extremismus zu schüren und das mit fatalen Folgen. Das ist System-immanent. Eine Öffnung ohne Risiken ist wohl nicht möglich.

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In der Kürze liegt die Würze!

Mag sein, aber das Leben lässt sich nicht im Telegraphen-Stil erklären. Der Mensch denkt über Umwege, die meistens ziemlich verworren sind. Er braucht Zeit, um seine Gedanken zu definieren und noch mehr, um sie kund zu tun. Das ist auch bei mir der Fall, auch wenn ich das oft bedaure. Wie soll ich politische Vorgänge in Schlagzeilen erklären? Das kann vielleicht die Bild-Zeitung, aber ich nicht. Wäre die Welt so einfach, würde es langweilig werden. Was wären die Philosophen geworden, wenn sie sich im Twitter-Stil hätten äußern müssen? Kaum auszudenken, was daraus geworden wäre. In einer Zeit, in der man eine Beziehung via SMS aufgibt, kann man kaum mehr Geduld von den Lesern erwarten. Das stimmt mich traurig! Das Leben besteht nicht nur aus banalen Äußerungen. Gerade die Komplexität der menschlichen Seele macht die Sache so spannend – erotisch würde ich mir wagen, zu sagen.

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