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Petra M.Jansen: Liebling

Liebling

Es sprach doch nur die Liebe.
Einzig und alleine sie. Die Trägerin der unbändigen Freude,
die Vertreiberin der Schattenwelten.
Sehnsuchts-anziehend und ausziehend streift sie sich über die Seele.
Bewegendes Geschenk der Natur. Lässt sprießen, was sonst nicht wächst.
Erregendes Geschöpf, mach mich kopflos und warm im Herzen.
Diesen Tod sterbe ich gerne.
Ist es der Tod der Ewigkeit, allzeit bereit, allzeit zur gnadenlosen, wundervollen
Gier bereit.
Es sprach doch schon mal die Liebe, die reine, wahre Liebe.
Sie tat weh und schmerzte.
Dachtest du, das sei Liebe?

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Petra M.Jansen: Nein!

Nein!

Ein Nein ist ein Nein. Und kein Ja.
Was ist so schwer daran zu verstehen?
Ist mein Nein kein nein? Ist mein Nein ein Vakuum, in dem nichts herrscht?
Eine Blase, eine ungefüllte Blase?
Keine Aussage, die ich ernsthaft spreche?
Rede ich umsonst?
Spreche ich und rede andersrum, meine ich es eigentlich ganz anders?
Warum sage ich es dann nicht einfach?
Aber das tue ich doch und ich sage nein.
Nein, zu etwas, was ich nicht will.
Etwas, was ich nicht mag, nicht kann, nicht darf, nicht habe.
Ganz einfach nicht will.

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Petra M.Jansen: Gestatten, sie halten einfach mal die Klappe!

Das sitzen sie nun in den Privaten zusammen auf der Couch, die Ex-Schlampe und der Ex-Fritze und hauen sich verbal und öffentlich die Hucke voll. Der Sohn lässt kein gutes Haar an der Mutter, Erziehungsversuche haben hier schlichtweg versagt, er tönt in die Welt hinaus „Mutter, du alte, fette Kuh!“ Fernseher an, zurücklehnen und Hirn abschalten. Sorgfältig lenkt uns die Verblödungsmaschine und wir fressen artig aus der Hand in diesem Land.

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Petra M.Jansen: Verpackte Engel

Verpackte Engel

Zuerst merkt man es gar nicht. So verdammt gut verkleidet ist dein fieses Wesen, verborgen hinter dem Lachen eines Engels. Zauberhaft, demütig, weltbewegend offen und herzlich ehrlich eroberst du die Herzen. Deine armen Opfer laufen dir ins Messer, dessen Klinge du schärfst, wenn sie schlafen. Sie schlafen und träumen von Liebe, dabei lauert der Hass. Nicht Hass auf sie, Hass auf dich selbst. Du kannst dich nicht ausstehen und kannst nicht raus aus deiner Schlangenhaut. Häutest dich und streifst deinen elenden, stinkenden Unrat einfach ab. Der bleibt liegen und verrottet, so wie deine Seele längst verrottet ist. Doch da ist sie wieder, die gleiche Last, der gleiche Dreck wächst wieder nach. Du kannst abstreifen, was du willst – es bleibt immer der kalte Körper.

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Petra M.Jansen: Sweet child of mine

Sweet child of mine

Sie haben nicht darum gebeten.
Waren da, weil s i e es wollten. Oder es passierte einfach.
Weg mit dem Dreck!
Wäre der eine Weg. Der andere ist umständlicher und teurer.
Nicht geliebt. Ballast. Raus gepresst zwischen den Schenkeln.
Eine sexy Laune, das Glas war voll. Die Mutter auch.
Zu jung. Zu dumm. Zu viel Arbeit. Woher soll die Kohle kommen?
Er vögelt derweil woanders rum, zu Hause ist es laut – das Baby schreit.
Haut der Kleinen mal jemand auf´s Maul?
Schnuller rein – halt die Klappe!

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Petra M. Jansen: Vertrauen

Petra M. Jansen: Vertrauen

Die Basis des Anfangs, der Startschuss für den wahren Schuss.
Den Schuss ins Volle? Innen drinnen, ganz tief drinnen soll es sitzen.
Und wird getreten wie ein Gänseblümchen, das gerade seine Knospe,
der Sonne entgegen, öffnen will.
Dreck! Nicht gelernt, nie gekonnt, immer gezweifelt.
Du bist Borderliner, wusstest du das noch nicht?
Hin und Her. Hoch und runter. Es ist deine eigene Scheiße, die du nicht
auf die Reihe kriegst.

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Petra M.Jansen: Konzepte

Konzepte

Am Anfang steht immer die Idee. Im besten Falle, sollte es eine Gute sein. Danach folgt die folgerichtige Ausarbeitung der Maßnahmen, die notwendig sind, um dieser guten Idee den Weg in die Publizität zu ebnen. Da sitzen dann überall Heerscharen von Menschen dran, mehr oder weniger dafür ausgebildet oder auch nicht. Es gibt verdammt gute Konzepte, die mehr als intelligent geschaffen wurden, um eine Leistung, eine Idee, ein Produkt oder sonst etwas unter die Leute zu bringen. Und es gibt Konzepte, die kopflos daher kommen und dabei auch noch grenzenlos gestreut werden – ohne Rücksicht auf eventuelle Begleiterscheinungen, Folgewirkungen und Risiken. Dann wird´s schlimm. Schlimm, wenn Dilettanten am Werk sind und Homepages ins Leben rufen, bei denen ganz unten – irgendwo unter den Akzeptanz-Richtlinien steht dass 400.- Euro fällig sind, sollte irgendwo Fremdwerbung oder eine werbliche Weiter-Verlinkung auftauchen. Das wird aber von den meisten gar nicht gelesen. Hauptsache, sie schaffen eine dritte, vierte Seite im Netz, die Band AB oder Produkt XY promotet. Und die Texte erst! Da sind keine ausgebildeten Texter am Werk, die ihre Arbeit gekonnt formulieren und absolut die Regeln des Internets und der Zielgruppenansprache beherrschen, sondern Leute, die sich ernsthaft selbst überschätzen, nur weil sie keinen Tippfehler machen und gerade mal einen Hauptsatz und einen Nebensatz zusammen schaufeln können.

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Petra M.Jansen: Sträflicher Leichtsinn

Sträflicher Leichtsinn

Was in der real existierenden Welt nahezu verpönt und unmöglich ist, findet in der virtuellen Welt tagtäglich statt. Und zwar ohne Hirn, ohne Angst und ohne Skrupel. Die Rede ist heute nicht von respektvoller, freundschaftlicher Kommunikation und auch nicht von den Umgangsformen im Netz. Es geht nicht um „was bin ich“ und „was will ich sein“, sondern um den sorglosen Umgang mit unserer Sicherheit. Gerade junge Mädchen, die es eigentlich in der Schule oder durch ihre Eltern gelernt haben sollten, dass sie ihre erwachende Weiblichkeit ein wenig schützen müssen. Sie wissen es eigentlich, doch sind sie noch zu sehr Kind, um es tatsächlich umzusetzen. Titten und Hintern haben sie, Verstand leider noch nicht. Und so kommen uns angemalte Kussmünder von Teenies ebenso entgegen wir ihre Ausschnitte oder die rasierten, glatten Körper der jungen Männer, die eine echte Frau allerdings eher zum Lachen treiben, als zum Hinsehen.

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Petra M.Jansen: Aufbruchstimmung

Petra M.Jansen - Signet

 

 

Aufbruchstimmung

Lethargisch abwartend auf dem Beamtensessel, verschanzt hinter dem Nummern-zieh-Automaten – das ist vorbei.
Mut-voll in die Selbständigkeit und der Sprung ins kalte Wasser. Ja, was bleibt denn anderes übrig? Der Staat verliert seine Verantwortlichkeit, ist damit beschäftigt, nicht zu beschäftigen. Und dafür zu löhnen – und zwar ordentlich!

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Petra M.Jansen: Virtuelle Identitätsverluste

Petra M.Jansen - Signet

 

 Virtuelle Identitätsverluste

Wer bin ich? Und wie bin ich? Bin ich ich? Bin ich oder bin ich nicht? Werde ich oder war ich schon?
Hier bin ich hier, dort bin ich das. Grunddevot, hausbacken und dominant. Kind und auch Erwachsene. Ich schlüpfe in neue Kleider und ist was Dummes an mir, kommt es einfach weg. Sogar ein neues Hirn kriege ich, wenn ich das will! Lange Haare oder Dauerwellen? Einmal schwarz, dann gerne blond? Rot ist gut und brünett ist eigentlich auch ganz nett. Ich sehe Dämonen und küsse Engel, lebe vegetarisch und verlange Steaks mit Braten. Ich bin Krankenschwester, Lehrerin und Tänzerin – schaffe gleichzeitig beim städtischen Grünflächenamt.
Wer bin ich? Wo bin ich wer? Was bin ich wo? Wann bin ich wie?

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Petra M.Jansen: Hausmannskost

Petra M.Jansen - Signet

 

Hausmannskost

Deftige Hausmannskost, da weiß man(n) was man(n) hat. Langjährig erprobt. Nicht ganz, der Herr – es wird sich gern woanders ausgetobt. Canapées serviert im attraktiven Schürzchen, auf nackter Haut. Nur die Hacken an den Hacken, die kauft er ihr!
Mediterrane Kost und vor allem Scampi, mit viel Knoblauch, für die Potenz. Schlaff hängt der Sack, da nützt auch kein schwarzer Frack. War wohl doch ne Spur zu scharf?
Derweil die Gattin auf den Gatten wartet, schnibbelt sie schon mal die Zwiebelchen für die Kartöffelchen. Wie e r sie doch liebt! Herr-je!

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Petra M.Jansen: Depressionen

Petra M.Jansen - Signet

Depressionen

Du weißt nicht, was das ist. Sie kommen einfach. Und gehen nicht.
Morgens müde, mittags müder, abends am müdesten. Nachts ohne Schlaf.
Augenränder und Gesichtsblässe entstellen deine Fresse.
Hunger hast du keinen und nimmst trotzdem täglich zu.
Kalorien zählen ist für´n Arsch.
Ein kreatives Loch in deinem Hirn. Es saugt alles aus dir raus.
Gibst dir die Sporen, Tag für Tag und kommst trotzdem nicht in die Gänge.
Früher lächelten dir die Leute zu, jetzt schauen sie durch dich hindurch.
„Verzeihung, junger Mann“, rempeln sie dich an. Du bist durchsichtiger als
das Glas in deiner Hand.

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