Archive die Heike

In die Oper

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In die Oper (12)

Wo ist denn nur die blöde Karte? Glauben Sie mir, ich hab hier alles abgesucht und find sie nicht. Heute Abend will ich doch in die Oper, da wird „die Fledermaus“ von Johann Strauß aufgeführt. Soll was Lustiges sein und vorher ist eine halbe Stunde Einführungsvortrag in Dramaturgie, das kostet nix. Ich mag Alkohol eh nicht, genau das Richtige also.
„Heike, geh dahin, das wird dir gefallen und vielleicht lernste ja nette Leute kennen.“

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Mail an Jeff (5)

Mail an Jeff (5)

Werter, geehrter Jeff,

Hauptsache, Du bist nicht zu sehr von Deiner Herrlichkeit angetan, das kommt nämlich nicht so gut an hier. Machos zeige ich den Mittelfinger, Jeff, ich hab schon einige davon hinausbefördert. Glauben wollten die´s nie und wenn das stimmt, was die alle versprochen haben, dann gibt´s eines Tages an meinem Grab einen Massenauflauf der gealterten Machos, die es mir nicht verziehen haben, dass ich ihnen nicht die Füße und mehr geküsst habe, als sie mich auf die Knie zwingen wollten. Jeff…Jeff…ich hasse Fußball. Ein langweiliges Spiel, die kicken von hier nach da und tragen viel zu lange Hosen. Da sieht man ja gar nix, völlig unerotisch ist das. Ich kenne sowieso nur den Beckham, der ist sexy, finde ich – und den Ronaldo.

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Ach, du scheiße!

die Heike
Ach, du scheiße! (11)

Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Hat der Jeff mit Neonazis zu tun? Ich will ja nicht in den Bau wandern, nur, weil ich jemanden kenne, der damit zu tun hat.
„Sei nicht so ängstlich, Heike. Der ist doch verheiratet und hat Enkel.“
Hab mir übrigens gestern ein Abonnement für die Frankfurter Oper geleistet. Kann ja nicht schaden, gebildet zu sein und da trifft man auch immer kultivierte Leute.
„Wieso geht unser Internet nicht?“
„Geht doch alles.“
„Nix geht hier, das kackt total ab. Kauf dir mal´ n Neues.“

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Der Jeff

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Der Jeff (10)

Der letzte Typ, der Johannes, das war ja ne glatte Bauchlandung, wissen Sie noch?
Ich hab echt die Schnauze voll von den Idioten, die einen sowieso nur flach legen wollen. Schließlich bin ich kultiviert und schlau, da brauch ich schon ein Pendant. Keinen Pedanten, Sie…..lesen Sie mal richtig! Ein Pendant.
Keinen Quatschkopf. Keinen, der mir auf der Tasche liegt.

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Schon im Hellen

die Heike
Schon im Hellen (9)

Geht es Ihnen gut? Mir auch! Und das freut mich natürlich besonders.
Zuallererst mal muss ich gerade mein Bein bandagieren und mir ne Salbe draufmachen, warten Sie einen kleinen Moment, ja? Ich bin heute nämlich mit meinem Absatz im Kopfsteinpflaster hängen geblieben und mich hat´ s voll auf die Fresse gelegt. Eigentlich hätte ich´ s wissen müssen. Jetzt ist mein Schienbein blau, ich kann kaum laufen…

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Juni 30th

die Heike

Petra M. Jansen

Mail an Jeff (4)

Mail an Jeff (4)

Lieber Jeff,

irgendwie schade, dass Du ein wenig desillusioniert bist, aber klar, verstehe ich doch! Kein Sterbenswörtchen kommt über meine hübschen Lippen, schließlich muss Jenny das Elend aushalten, nicht ich.
Du rührst mich mit Deiner verletzten und verletzlichen Seele, die da zwischen den Zeilen durchquellt. Immerhin, soviel Fingerspitzengefühl hab ich schon. Der gute Ton ist der Weg zur Glückseeligkeit in die weiblichen Lustgrotte, glaub mir, Jeff. Ich bin genauso gestrickt und erliege der höflichen, charmanten Herrlichkeit. Immer wieder und verdammt gerne.

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Juni 29th

die Heike

Petra M. Jansen

Fuck off!

die Heike
Fuck off! (8)

Soll ich mal ehrlich sein? Ich hab schon Lust zu ficken, doch….ja. Warum sollte ich lügen? Deswegen hab ich ihn ja bestellt und ich finde da auch nix Unanständiges dran. Aber das sag ich nur Ihnen, denn ich kann ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Ich bin sowieso der Meinung, dass man sich als Frau erst einmal ein bisschen zurückhalten sollte, das wirkt feiner und geheimnisvoll. Und schließlich bin ich ja kein Sprungbett…Verzeihung…Sprungbrett, meinte ich. Ich hab mich gerade versprochen. Außerdem ist Johannes Künstler, und die sind extrem feinfühlig und schnell eingeschüchtert. Vielleicht malt er mich eines Tages oder komponiert ein Stück und ich werde berühmt? Er kann nämlich beides und sieht dazu noch unverschämt gut aus. Wegen ihm hab ich ja auch die ganzen Zeitschriften gekauft, weil ich gesehen habe, wie gebildet er ist, wissen Sie?

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Juni 28th

die Heike

Petra M. Jansen

Ich bin in Eile

die Heike
Ich bin in Eile (7)

Er hieß Johannes, sah aber eher nach Rob Zombie aus. Früher hätte ich ja so was nicht gemacht, wissen sie? Da gab´ s noch kein Netz und man musste das nehmen, was in der Nähe oder am Ort wohnte. Aber diese Online-Flirterei erspart einem die Anlaufzeit, da kann man gleich zur Sache kommen. Ein bisschen nervös bin ich schon und wenn er nix taugt, fliegt er raus – hier und auch im Netz auf Liebesvorsprung.de. Da fackel ich nicht lange.
Ich würde Ihnen ja gerne ein Foto von ihm zeigen, aber das geht jetzt nicht, ich bin in Eile. Und außerdem wüsste ich nicht, wie ich das hier reinfummeln sollte. Gerade „online“ macht das immer einen guten Eindruck, wenn man sieht, mit wem man´ s zu tun hat und das Auge isst mit, oder?

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Juni 27th

die Heike

Petra M. Jansen

Mail an Jeff (3)

Mail an Jeff (3)

Lieber Jeff,

da bin ich aber beruhigt, dass es in deinem Alter noch natürliche Regungen gibt und es macht dich ja auch so schön menschlich. So ganz bin ich allerdings noch nicht davon überzeugt, dass du nicht doch ein Auge auf mich geworfen hast. Nur so am Rande: ohne lange Haare geht bei mir nix, Jeff.
Damit lassen wir das ruhen, ich finde das schon ein bisschen intim…

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Juni 25th

die Heike

Petra M. Jansen

Einkaufen

die Heike
Einkaufen (6)

„Hallo? Ist da die Heike?“
„Ja, wenn sie die angerufen haben, dann ist sie da auch.“ Blöde Frage.
Es war mein Volltreffer aus´ m Internet. Der wollte doch nicht etwa absagen?
Dann hau´ ich ihm die Zeitschriften um die Ohren, schließlich haben die ein Vermögen gekostet und lesen tu ich die eh nicht.
„Süße, ich steh´ vor deiner Haustür, aber hier öffnet keiner.“
Kein Wunder, ich bin ja auch im IDEL, wie kann ich dann also da sein? Was für´ n Idiot!
„Oh je, du bist aber früh. Ich arbeite noch, muss Überstunden machen. Geh doch mal um´ n Block, in einer Stunde bin ich da, o.k.?“ Musste er ja nicht wissen, dass ich gerade erst einkaufen war, denn so was machen kultivierte Frauen nicht erst auf den letzten Drücker, die haben alles vorgeplant, den Tisch gedeckt und schon selbstgebackenen Kuchen aufgefahren.

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Juni 25th

die Heike

Petra M. Jansen

Es kommt Besuch

Es kommt Besuch (5)
 
 
Ich gehör´ auch zu den Tätowierten, denen man nicht trauen kann. Das sag´ ich jetzt so, weil es Leute gibt, die einen argwöhnisch betrachten, wenn sie sehen, dass man tätowiert ist und gleich zwei Schritte zurück gehen. Nur schwarz-weiß aber. So bunte Blümchen und Schmetterlinge sind eher für Weibchen, die sich damit gerne über der Poritze oder am Schienbein hochrankend, schmücken. Ein Zeichen des schlechten Geschmacks, finde ich.
 
Heute war nix Tolles los. War genauso wie gestern, eigentlich. Ich fütterte schnell Humphrey, der die ganze Nacht in seinem quietschenden Laufrad im Kreis rannte, dann duschen, schnell ´ne Tasse Kaffee und weg war ich – bis eben.
Finden Sie die Tage auch immer so gleich? Früher war das anders, aber seitdem ich kultiviert sein will, ist es immer gleich. Keine Exzesse mehr, keine Eskapaden, keine Wutausbrüche. Irgendwie scheiß langweilig.

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Juni 24th

die Heike

Petra M. Jansen

Mail an Jeff (2)

Mein lieber Jeff,

ich scheine Dich zu inspirieren, jedoch offenbar in eine Richtung, die nicht mehr ganz Deinem Alter entspricht. Verzeihung, aber Weltkulturerbe muss noch ein bisschen mehr bieten als einen abgewrackten Leib, der – mit oder ohne Zeitung – auf der Morgentoilette sitzend, kleine Gregs zum Spielplatz führt und sich offensichtlich in einer Alterskrise befindet. Ich laufe nicht durch den Louvre sondern trampte durch Goa und die Kultur der tatsächlich verblödeten Sektglasnipper pflege ich lieber, indem ich nach dem Glassarg Franscisco Pizarros in dem barocken Kunstwerk der Kathedrale Limas forsche oder Machu Piccu einen Besuch abstatte, sofern ich die Kohle dafür habe. Das, mein lieber Jeff, ist Kultur für mich: die Scharrlinien von Nazca aus der Luft betrachten und darüber philosophieren, wer sie nun wie dorthin geschafft hat.

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Juni 23rd

die Heike

Petra M. Jansen