Systemfehler
Klickend drehte sich der Schlüssel im altersschwachen Sicherheitsschloss, dessen zerkratzte Oberfläche sich nahtlos in die rostige Stahltür einfügte. Mit einem Quietschen, welches an ein menschliches Stöhnen erinnerte schwang die Tür nach innen und gab den Blick auf einen schäbigen Hausflur frei, an dessen mit Graffitis bedeckten Wänden sich leere Pappkartons und anderes Gerümpel stapelten. Von irgendwoher erklang das Weinen eines Kindes. Hinter einer der Türen, die vom Hausflur abzweigten, bellte ein Hund.
Ich trat aus dem hellen Tageslicht des freundlichen Frühlingstages hinein in das stickige Halbdunkel des Hausflurs. Ächzend bückte ich mich nach den beiden großen Kartons, die ich vor der Haustür abgestellt hatte und schleppte sie in Richtung Fahrstuhl, während die Stahltür hinter mir scheppernd ins Schloss fiel. Seit nunmehr vier Monaten war dieser heruntergekommene Sozialbau nun schon meine Heimat. Hätte man mir vor einem halben Jahr gesagt, dass ich einmal hier leben würde, dann hätte ich nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Doch mein Abstieg vom wohlhabenden Angehörigen der bürgerlichen Mittelschicht zum mittellosen Arbeitslosengeldempfänger war schneller erfolgt, als ich dies in unserem Land für möglich gehalten hätte.
Nach dem überraschenden Tod meiner geliebten Ehefrau war ich in Depressionen versunken. Ich hatte versucht, meine Trauer in Alkohol zu ertränken, was anfangs auch noch ganz gut funktioniert hatte. Doch bald benötigte ich immer größere Mengen des Heilmittels Alkohol, um den Schmerz in meinem Herzen zu betäuben. Immer öfter griff ich zur Flasche, um überhaupt noch in der Lage zu sein, den Tag zu überstehen. Es war ein Teufelskreis. Wenige Wochen und drei Abmahnungen später war ich arbeitslos. Das Software-Unternehmen, bei dem ich zwanzig Jahre lang gearbeitet hatte, hatte mich fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.
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