Archive Lars Anders

Lars Anders:Impressionen eines Fahrgastes (5)

Impressionen eines Fahrgastes (V)

Es ist spät geworden. Die Nacht hat sich bereits über die Dächer der Stadt gesenkt. Mühsam blinzeln einige Sterne durch die lockere Wolkendecke. Der hell erleuchtete S-Bahnhof Schöneberg thront wie eine Insel des Lichts im dämmrigen Halbdunkel des Häusermeeres. Träge kriechen die Zeiger der großen Uhr, die über dem fast menschenleeren Bahnsteig hängt, über das Ziffernblatt.


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Lars Anders: Impressionen eines Fahrgastes (4)

Impressionen eines Fahrgastes IV

Das goldene Licht der Morgensonne spiegelt sich in den noch dunklen Schaufensterscheiben des Hindenburgdamms. Nur langsam weicht der zähe Morgennebel, der einen Schleier gleich die Konturen der Stadt verschwimmen lässt, den wärmenden Sonnestrahlen. Ich stehe verschlafen an der Bushaltstelle und ziehe fröstelnd die Schultern zusammen. Missmutig schaue ich mich um und blicke in die schlecht gelaunten Gesichter der Wartenden. Der Bus hat mal wieder Verspätung und die Menschen scharen sich ungeduldig um die Haltestelle.

Auf einmal wird die gewohnte Geräuschkulisse der morgendlichen Rush-Hour durch das Lachen und Lärmen von Kindern unterbrochen. Eine Gruppe von ungefähr fünfzehn Kindern im Vorschulalter kommt um die Ecke. Drei Erzieherinnen springen Hirtenhunden gleich um den kleinen Trupp herum und versuchen, ihn zusammen zu halten. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie eine alte Frau vor den Kindern zurückweicht, als ob sie eine ansteckende Krankheit hätten. „Die Jugend von heute! Keine Disziplin mehr!“ knurrt sie mit zusammengebissenen Zähnen.

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Lars Anders: Impressionen eines Fahrgastes (3)

Impressionen eines Fahrgastes (3)

„Manche Leute meinen, lechts und rinks könne man nicht velwechsern.
Werch ein Illtum!“

[Ernst Jandel]

Das Gemurmel zahlloser Stimmen liegt in der Luft, als ich die gefliesten Gänge des S- und U-Bahnhofes Alexanderplatz vom oberirdisch liegenden Bahnsteig der S-Bahn hinab zu einer der drei hier verlaufenden U-Bahnlinien eile. Es ist Freitag Abend und draußen hält der Frühling Einzug in der Stadt. Doch davon ist hier unten in den weitläufigen Gängen nicht viel zu spüren. Weder das Tageslicht noch die frühlingshaften Temperaturen sind bislang in den Mikrokosmos dieses Bahnhofes mit seinen Zeitungsläden, Imbissbuden und zahlreichen anderen Geschäften vorgedrungen. Die meisten der mir von den U-Bahnsteigen aus entgegenströmenden Menschen sind noch immer winterlich gekleidet, als könnten sie es nicht fassen, dass die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne nun auch unsere Stadt erreicht haben. Mein Weg führt mich mehrere Treppen hinunter. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreiche ich schließlich den am tiefsten Punkt des Bahnhofskomplexes liegenden Bahnsteig, wo auch schon ein Zug auf mich wartet. Erleichtert darüber, nicht warten zu müssen, steige ich ein und lasse mich auf einen der freien Sitzplätze sinken. Als sich die Türen, begleitet von einem elektronischen Warnton zischend schließen, habe ich schon längstens mein Buch aus meiner Umhängetasche geholt und befinde mich mit meinen Gedanken irgendwo in Tolkiens Mittelerde.

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Lars Anders: Impressionen eines Fahrgastes (2)

Impressionen eines Fahrgastes (II)

Die Dämmerung senkt sich bereits über die Stadt, als ich mit meiner Sporttasche in der Hand in Richtung U-Bahnstation schlendere. Ich blicke die geschäftige Müllerstraße entlang, über deren Dächern die vertraute Silhouette des Fernsehturmes thront. Fröstelnd knöpfe ich mir meinen Mantel zu. Es ist noch kalt, aber ich spüre, dass der Frühling bereits seine wärmenden Finger nach der Stadt ausgestreckt hat, die mit einem kollektiven Seufzer der Erleichterung das Ende des kalten Winters zu begrüßen scheint.

Ein Blick auf die Zeitanzeige meines Handys verrät mir, dass es bereits sehr viel später ist, als ich zunächst angenommen habe. Eilig wende ich mich dem hell erleuchteten Eingang der U-Bahnstation zu und begebe mich hinunter in die Eingeweide der Stadt. Kaum habe ich die Hälfte der zum Bahnsteig hinabführenden Stufen hinter mich gebracht, schallt mir auch schon die weiblich anmutende Stimme der automatischen Zugansage entgegen: „Einsteigen bitte!“ Ich beschleunige meine Schritte. Im wilden Stakkato hämmern meine Schuhsollen über die ausgetretenen Betonstufen. In buchstäblich letzter Sekunde erreiche den Zug, bevor sich dessen Türen, begleitet von einem nervtötenden elektronischen Warnton, zischend hinter mir schließen.

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Lars Anders: Impressionen eines Fahrgastes

Impressionen eines Fahrgastes

Das monotone Rattern der U-Bahn tönt in meinen Ohren. Der Klappsitz unter mir gibt in regelmäßigen Abständen knarrende Geräusche von sich. Die Luft ist feucht und riecht nach regennasser Kleidung. Irgendwo in der Nähe beginnt ein Mann eine derartig lautstarke Unterhaltung mit seinem Handy zu führen, dass er jeden im Umkreis von zehn Metern an seinem Gespräch teilhaben lässt. Entnervt blicke ich von den Seiten meines Buches, in das ich mich gerade zuvor noch vertieft habe, auf und werfe dem Übeltäter einen möglichst bösen Blick zu. Natürlich vergebens. Wahrscheinlich muss ich an meinem bösen Blick einfach noch etwas arbeiten.

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Lars Anders: Rollenkonflikte

Rollenkonflikte

Das silberne Licht des vollen Mondes spiegelte sich verträumt auf der glatten Oberfläche des Sees. Seine mit alten Weidenbäumen gesäumten Ufer lagen friedlich im märchenhaften Glanz der Mittsommernacht. Der klagende Ruf einer Eule hallte durch die dichten Wälder am anderen Ufer herüber. Eine zu beiden Seiten mit mehreren Fackeln erhellte Bogenbrücke überspannte die weitläufige Wasserfläche an der engsten Stelle des Sees. Ihre mit Moos bewachsenen Steinquader ließen dieses von Menschenhand erschaffene Bauwerk fast mit der umliegenden Natur verschmelzen. Dunkel zeichneten sich die Umrisse eines auf der Brückenmitte thronenden Torhauses ab, dessen bogenförmiger Durchgang mit einem eisernen Fallgatter verschlossen war. Durch die hölzernen Fensterläden im Wohnbereich des Torhauses sickerte Licht hervor.

Vorsichtig schlich ich mich an die Brücke heran, wobei ich sorgsam darauf achtete, nicht in den flackernden Lichtschein der Fackeln zu treten. Den von zwei steinernen Säulen flankierten Ausläufer der Brücke umrundend, suchte ich Deckung hinter einer alten Eiche, deren ausladende Äste selbst bei hellem Tageslicht eine hervorragende Deckung geboten hätten.

Ich beobachtete eine Weile lang das Torhaus aus zusammengekniffenen Augen. Nichts rührte sich. Auch auf dem von Zinnen gekrönten Dach waren keine Wachen zu sehen. Wäre nicht der schwache Lichtschein gewesen, der durch die geschlossenen Fensterläden schimmerte, so hätte man das Gebäude für unbewohnt halten können. So aber musste ich davon ausgehen, dass der Übergang bewacht war. Darüber, wie viele Wachen sich in dem alten Gemäuer befanden, und ob mir diese wohl gesonnen waren, konnte ich nur Mutmaßungen anstellen. Eine innere Stimme warnte mich jedoch, dass ich bei Überqueren der Brücke mit Ärger zu rechnen hätte.

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Lars Anders: Der zweite Tod

Der zweite Tod

Der Überlebende

Das Schiff flog gedankenschnell durch die fast lichtlose Stille des interstellaren Raumes. Einem alten Windjammer gleich pflügte es durch ein Meer von Sternen, deren schwacher Schimmer kaum ausreichte, um den mit Einschlagskratern übersäten Schiffsrumpf zu erleuchten. Zu weit entfernt war es von den wärmenden Strahlen des nächsten Sternes. Nur vereinzelt flackerten ein paar Lichter an seiner ansonsten toten Oberfläche auf. Das Schiff lag im Sterben! Bald würde es so tot sein, wie die meisten seiner einstigen Besatzungsmitglieder, deren steife, leblose Körper Lichtjahre entfernt durch das eisige Vakuum des Weltalls trieben.

Ich war der einzige, der die verlassenen Gänge des Schiffes noch mit Leben erfüllte. Der einzige Überlebende von einstmals zweitausend Menschen, die sich voller Hoffnung auf eine Reise in eine neue Welt aufgemacht hatten. Mittlerweile war das Ziel der Reise ebenso verloren gegangen, wie die damit verbundene Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Orientierungslos flog das Schiff durch das Nirgendwo zwischen den Sternen.

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Februar 23rd

Kurzgeschichten

Lars Anders

Lars Anders: Der zerbrochene Spiegel

Der zerbrochene Spiegel

Träge flimmerte die Luft über dem staubigen Asphalt der kleinen Nebenstraße. Nichts regte sich in der drückenden Hitze dieses Spätsommertages. Selbst den Vögeln schien in der seit Wochen andauernden Hitzewelle die Lust aufs Singen vergangen zu sein. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel und verwandelte die vor dem Haus liegende Wiese in eine strohbedeckte Fläche.

Jeder, der die Möglichkeit dazu hatte, war vor diesen Backofentemperaturen an den Strand einer der zahlreichen Badeseen in der Umgebung unserer Stadt geflüchtet. Auch ich wäre gerne diesen Herdentrieb gefolgt, um meinen kurz vor der Kernschmelze stehenden Körper in den belebenden Fluten eines Sees abzukühlen. Doch die Vorstellung, mich den Blicken der anderen Badegäste auszusetzen, hielt mich davon ab. Ich schämte mich zu sehr! Mein Körper war nämlich nicht unbedingt das, was man gemeinhin als Bikini-Figur bezeichnete. Tatsächlich war ich von den von der Modeindustrie propagierten Traummaßen in etwas so weit entfernt, wie der Planet Neptun von der Sonne. Als ich das letzte Mal gewagt hatte, ein Freibad zu besuchen, hatte man mich hinter vorgehaltener Hand als Ungeheuer von Loch Ness bezeichnet. Irgendwann waren mir die spöttischen Bemerkungen und die mir zugeworfenen Blicke zu viel geworden und ich hatte mit Tränen in den Augen die Flucht ergriffen. An diesem Tag hatte ich mir geschworen, nie wieder einen Fuß in ein Freibad zu setzen.

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Februar 16th

Kurzgeschichten

Lars Anders

Lars Anders: Systemfehler

Systemfehler

Klickend drehte sich der Schlüssel im altersschwachen Sicherheitsschloss, dessen zerkratzte Oberfläche sich nahtlos in die rostige Stahltür einfügte. Mit einem Quietschen, welches an ein menschliches Stöhnen erinnerte schwang die Tür nach innen und gab den Blick auf einen schäbigen Hausflur frei, an dessen mit Graffitis bedeckten Wänden sich leere Pappkartons und anderes Gerümpel stapelten. Von irgendwoher erklang das Weinen eines Kindes. Hinter einer der Türen, die vom Hausflur abzweigten, bellte ein Hund.

Ich trat aus dem hellen Tageslicht des freundlichen Frühlingstages hinein in das stickige Halbdunkel des Hausflurs. Ächzend bückte ich mich nach den beiden großen Kartons, die ich vor der Haustür abgestellt hatte und schleppte sie in Richtung Fahrstuhl, während die Stahltür hinter mir scheppernd ins Schloss fiel. Seit nunmehr vier Monaten war dieser heruntergekommene Sozialbau nun schon meine Heimat. Hätte man mir vor einem halben Jahr gesagt, dass ich einmal hier leben würde, dann hätte ich nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Doch mein Abstieg vom wohlhabenden Angehörigen der bürgerlichen Mittelschicht zum mittellosen Arbeitslosengeldempfänger war schneller erfolgt, als ich dies in unserem Land für möglich gehalten hätte.

Nach dem überraschenden Tod meiner geliebten Ehefrau war ich in Depressionen versunken. Ich hatte versucht, meine Trauer in Alkohol zu ertränken, was anfangs auch noch ganz gut funktioniert hatte. Doch bald benötigte ich immer größere Mengen des Heilmittels Alkohol, um den Schmerz in meinem Herzen zu betäuben. Immer öfter griff ich zur Flasche, um überhaupt noch in der Lage zu sein, den Tag zu überstehen. Es war ein Teufelskreis. Wenige Wochen und drei Abmahnungen später war ich arbeitslos. Das Software-Unternehmen, bei dem ich zwanzig Jahre lang gearbeitet hatte, hatte mich fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.

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Februar 2nd

Kurzgeschichten

Lars Anders

Lars Anders: Sightseeing

Sightseeing

Langsam wich der Winternebel, der sich einer weißen Decke gleich über die Landschaft gelegt hatte, den ersten wärmenden Strahlen des Tagesgestirns. Glitzernder Raureif bedeckte Bäume und Sträucher und verlieh den Wäldern einen märchenhaften Glanz. Friedlich lag mein kleines Einfamilienhaus in der windlosen Stille des Neujahrsmorgens.

Blinzelnd trat ich aus der zum Haus gehörenden Garage, in der ich die letzten Stunden zugebracht hatte und wischte mir meine ölverschmierten Hände an einem fleckigen Tuch ab. Noch vor gut zehn Jahren hätte ich an einem Neujahrsmorgen wie diesem um diese Uhrzeit sicherlich noch gefeiert oder zumindest noch meinen Rausch ausgeschlafen. Aber meine Heirat und die Geburt meiner beiden Kinder hatten mir einen weitaus ruhigeren Lebensstil aufgezwungen. Zudem lebte ich seit nun mehr fünf Jahren in einem kleinen Dorf in Brandenburg und nicht mehr in der Großstadt. Allzu viel los war hier zu Silvester ohnehin nicht.

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Januar 26th

Kurzgeschichten

Lars Anders

Lars Anders: Meister der Schriften

Meister der Schriften

Die untergehende Sonne tauchte die Ebenen des westlichen Ödlands mit seinen geschmolzenen Stein- und Metallstrukturen in ein blutrotes Licht. Der warme Wüstenwind blies mir ins Gesicht und brachte eine Ahnung von Tod und Vergänglichkeit mit sich. Ich stand auf einem Felsvorsprung und ließ meinen Blick langsam über die karge Landschaft schweifen. Nirgendwo in dieser Einöde regte sich Leben. Dennoch erzählte man sich, dass dieser Ort zu Zeiten meines Urgroßvaters Vater einst eine riesige Stadt gewesen sein soll, durch deren Straßen das Leben pulsierte. Aber dies muss lange vor dem alles vernichtenden Inferno des Weltenbrandes gewesen sein.

Für die meisten Nachfahren der wenigen Überlebenden des Weltenbrandes, die die Oberfläche dieses geschundenen Planeten bevölkerten, war dieses Zeitalter nicht viel mehr als eine Legende. Nicht jedoch für mich. Ich war das, was man gemeinhin als Meister der Schriften bezeichnete. Zu mir sprachen sie noch – die wenigen erhaltenen Texte und Bücher aus längst vergangenen Zeitaltern. Es gab nicht mehr viele, die noch die Kunst des Lesens und Schreibens beherrschten. Der tägliche Kampf ums Überleben machte das Erlernen dieser Fähigkeiten zu einem Luxus, den sich nur noch die Wenigsten leisten konnten. Umso begehrter waren meine Dienste als Meister der Schriften. Meine Berufung hatte mich weit herumgebracht. Viele Jahre schon wanderte ich über die tote Oberfläche dieser Welt von Auftrag zu Auftrag. Es war ein Leben ohne feste Bindungen, ohne Partner oder gar Familie. Aber es war ein Leben in Freiheit! Es wäre für mich sicherlich kein Problem gewesen, in die gut bezahlten Dienste einer der unzähligen Warlords zu treten, die im ständigen Krieg gegeneinander um die Herrschaft über die letzten Überreste der menschlichen Zivilisation rangen. Doch dies hätte bedeutet, mein Leben in Freiheit aufzugeben und mein Dasein im tristen Halbdunkel eines der Bunker oder Erdlöcher zu fristen, die die Warlords als Festungen verwendeten.

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Januar 19th

Kurzgeschichten

Lars Anders

Lars Anders: Wahre Kunst

Wahre Kunst

Das monotone Stampfen der Maschinen hallte durch das weitläufige Fabrikgebäude. Einem kuriosen Ballett gleich bewegten sich die um das Fließband herum verteilten Industrieroboter, als ob sie zu einer imaginären Sinfonie tanzen würden. Auch ich war Teil dieser mechanischen Choreographie, obwohl Blut und nicht Hydraulikflüssigkeit durch meine Adern floss. Seit Stunden stand ich nun schon am Fließband und führte wie in Trance in regelmäßigen Abständen die immer gleichen Handgriffe aus. Das elektrische Fauchen der Servomotoren und meine stumpfsinnige Arbeit hatten einen geradezu hypnotischen Effekt auf mich. Eine bleierne Schwere schien auf meinen Gedanken zu lasten. Jede Regung, die nichts mit meiner Arbeit zu tun hatte, wurde im Keim erstickte. Ich war nur noch ein anonymes Zahnrädchen in einer seelenlosen Maschine.

Wieder lief ein Rucken durch das Fließband. Wieder kam eines der chromglänzenden Autoteile vor mir zum Stillstand. Wieder griff ich mechanisch nach meinem Akku-Schrauber, um den vor mir stehenden Karosserieteil ein weiteres Element hinzuzufügen. Fünf Handgriffe später trat ich zurück, um darauf zu warten, dass das Fließband mir das nächste Karosserieteil in meinen Arbeitsbereich fuhr. So, wie ich es heute bestimmt schon hunderte Male gemacht hatte. Das Fließband war der Herzschrittmacher meines Arbeitslebens.

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Januar 12th

Kurzgeschichten

Lars Anders