Lars Anders:Impressionen eines Fahrgastes (16)
Impressionen eines Fahrgastes XVI
Sie sitzen mir gegenüber. Ihre Gesichter sind ausdruckslos und starr, als ob sie aus Marmor gemeißelt wären. Ihre glasigen Augen scheinen einen Punkt irgendwo hinter mir zu fixieren. Auch reden sie nicht, sondern ziehen sich in die Schweigsamkeit ihrer selbst gewählten Anonymität zurück. Selbst ich bin einer von ihnen, bin anonym, schweigsam und starre ins Leere. Und so sitzen wir alle im Zug nur einen Schritt voneinander entfernt. Doch genauso gut könnten es Lichtjahre sein, die uns trennen.
Die Bahn hält, die Türen öffnen sich und neue leere Gesichter ergießen sich einer Flut gleich in die U-Bahn. Ich bemerke eine Bewegung neben mir aus den Augenwinkeln. Jemand hat sich auf den freien Platz rechts von mir gesetzt. Auf einmal ertönt eine Stimme. Es ist die raue Stimme einer nicht mehr ganz jungen Frau. Die Worte scheinen nur so regelrecht aus ihr hervor zu sprudeln. Sie spricht schnell und undeutlich.
„Meine Schwester, die sollten sie mal sehen. Meine Schwester und ihr Hund, die sind wirklich unmöglich, sage ich ihnen.“
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