Ein wenig hochgestapelte Selbstironie mit einem dicken Lachen!

Hollodrio,

ich bin ab sofort diejenige, die mit dem Dirndl kämpft. Mein Traumdirndl, gekauft im letzten Jahr, verhunzt von einer nicht über Trachten informierten Schneiderin und somit zur zwangsjackenähnlichen Presskonstruktion verändert, die nicht passt.

Grund genug, eine erfahrene Schneiderin mit Trachtensachkenntnis aufzusuchen. Und es war wirklich lehrreich.

 

Ich weiß jetzt, dass ich eine wirklich super Dirndlfigur hab und habe gelernt, dass man Holz vor Hütten ordentlich zu stapeln hat. Und hoch.

Mein persönliches Holzhochstapelmaß liegt bei von einer Schneiderin festgelegten Einheit von 6 cm.

Bestenfalls. Ich werde also zur Hochstaplerin. Andere legen ja tiefer.

Auch das Miederteil ist mir zu lange und ist es aufs richtige Maß gekürzt, schoppen sich Stoffwulste nicht mehr nach oben und ich sehe nach dem Aufstehen von der geneigten Bierbank im Bierzelt nicht mehr aus wie ein schwangerer Elefant im Endstadium und zupfe erst einmal leicht hektisch am Gwand herum. Wo ich doch die perfekte Dirndlfigur hab. Und die wird in den nächsten Wochen wichtig.

Da ist der Abensberger Gillamoos, meine 5. Jahreszeit und was trägt Frau da wohl? Genau: Dirndl für die Madl, a Gwichste für die Buam. Host mi?

Da gehst hin, hast Spaß, da trinkst a Maß oder auch zwei, ein halbes Gockerl vom Grill, a Kas und am End noch gebrannte Mandeln müssen da sein. Pflichtprogramm. Im Dirndl. Und da muss das Gwand sitzen. Weil geschunkelt wird da ja auch. Und ohne dieses Programm gings ja schon gleich gar nicht.

Also trabte ich los, wissend, dass ich eine Holzstapel und „In Form Halt Hilfe“ nicht umhinkomme. Ich finde diese Teile schrecklich unbequem, aber was tut Frau nicht alles für einen guten Auftritt?

Ich quetschte also die famose Oberweite in ein echt famoses Stapel – Monster aus kratziger Spitze. Mit Pölsterchen, zwecks der Hochstapelei. Die Verkäuferin (sehr kompetent, energisch und freundlich) fragt: Darf ich?

Ich nicke und schon bringt die junge Dame den Inhalt des Monsters mit einem Handgriff in das verhüllte Dekolleté und einer halben Handdrehung in Stellung und mich zum entsetzten Starren in den Spiegel.

Hey, ich weiß, ich hab ja nicht wenig, aber das war quasi der Kulturschock des Tages. Ich starrte irritiert in den Spiegel. So viel Holz wollte ich nicht vor der Hütte. Solche Wuchtbrummen stehen mir nicht! Hallo? Und unbequem war das Teil auch.  Es stellte sich auch die Frage nach meinen Füßen, die sah ich nämlich nicht mehr. Vor den Füßen lagerte jetzt das Holz. Unübersehbar und markant. Hallo? Füße?

Ich stand da und begann zu lachen. Lachte mich über mich selbst schief, mein erstes dämliches Blicken auf das Geschichtete vor meinem Brustkorb und amüsierte mich und rotzte fröhlich aus der Kabine über mein Holz vor der Hüttn, Möpse, Kulturschockeinheiten und darüber, dass ich dann wohl eine Menge Rettungsaktionen von versunkenen Männerseelen zu bewältigen hätte und dass soviel Tuning nach meinem Dafürhalten nicht nötig wäre. Japsend lieferte ich mir selbst den Schenkelklopfer des Tages und amüsierte mich weiter fröhlich über die Pracht, die im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend gewesen wäre.

Während die Verkäuferin nun ihrerseits errötete und mit so einer Selbsthumorattacke wohl eher nicht gerechnet hatte, verlangte ich grölend und hoch amüsiert mit absolut aktivem Kopfkino nach einer Zwischenlösung. Die habe ich jetzt. Mit kleinen Edelweißchen am Träger. Mei liab.

Bequem ist was anderes, aber es hat keine Pushpolster drin, die gerne das Ausmaß von ordentlichen Unterlegkeilen haben. Alles, was hochgestapelt ist, muss auch hoch bleiben.

Pölsterchen ist eine dämliche Verniedlichung. Pölsterchen habe ich höchstens an meinen Hüften. Die ja die perfekte Dirndlfigur ausmachen und wohlgepflegt sind. Jawohl.

Wieso meint eigentlich alle Welt, dass das Glück nicht auf dem Rücken der Pferde, sondern im Nutzen von Schaumgummiunterlegkeilen, auch Pölsterchen genannt, zur Erbauung von Monsterdekolletés hängt? Hä? Und wieso gibt es keine bequemen BHs für ein Dirndl? Sondern nur die Auswahl zwischen Brustpanzer, schusssicherer Halbweste, Kratzspitze oder rüstungsähnlichen Kleidungsstücken, die einem ja schon Angst machen, wenn man sie nur von der Seite in Augenschein nimmt? Und denkt man weiter über die aufgerüstete Figur nach, kommt einem das Grausen. Allein das Abrüsten nimmt viel Zeit in Anspruch. Und dann?

Ich will nicht dran denken, wo doch der Gillamoos in Abensberg bald beginnt und man im Überschwang eines launig verbrachten Abends …

Dann jedenfalls ist es nämlich vorbei mit dem Schwerkraftgetrotze, sobald Unterlegkeile, schusssichere Unterteile und straffende Shapings entfernt werden. Meine Güte. Das Leben ist echt hart. Pölsterchenhart und kratzig.

 

Copyright 2012 by Birgit Bauer

2 Responses to “Ein wenig hochgestapelte Selbstironie mit einem dicken Lachen!”

  • Marion Stein sagt:

    Liebe Birgit,

    wie köstlich!!
    Hab grad auch viel Holz vor der Hüttn, muss es nur noch sägen, spalten, stapeln… beim ersten Höllenfeuer am Kamin (die Kälte kommt schon noch!) denk ich bei einem gekühlten Weltenburger Dunkles an Dich!!

    Heiße Grüße
    Marion

  • Jutta Göller sagt:

    Liebe Birgit,

    hab’ mich, die ich nicht mit soviel “Holz vor der Hüttn” gesegnet bin, sehr amüsiert über Deinen Beitrag! Hab’ trotzdem selber auch zwei (!) Dirndl, beide schon über 20 Jahre alt, passen aber noch…

    Viele herzliche Grüße,
    Jutta.

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    as

    August 19th

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