Petra M. Jansen: Junge Leute
Junge Leute
Nur Clubbing im Kopf? Feiern bis zum Abwinken?
Klamotten und High Life? Fehlanzeige!
Dieses Jahr kämpften sich wieder viele Schüler durch bis zum Abitur.
Hier waren es 176 und 34 davon erreichten einen Schnitt von „besser als 1,8“.
Fast die Hälfte verbrachte ein Schuljahr im Ausland, sie haben geackert für ihre Zukunft! Eine, für die der deutsche Arbeitsmarkt nicht die besten Perspektiven bereit hält. Geht´s nun weiter auf die Uni oder ins freiwillige soziale Jahr?
Oder etwa in eine Berufsausbildung? Vier Monate haben sie Zeit, sich zu entscheiden und bis dahin wird erst einmal – schon einen Monat im voraus – das Kindergeld gestrichen.
Und auch die Krankenkasse hält die Hand auf…tja, zum Arzt gehen ist nicht mehr, ohne einen Packen Formulare und Neuantrag bei den leeren Kassen.
Ich weiß das, denn mein Sohn ist einer der Glücklichen, die ihr Abi in der Tasche haben. Gratulation! Jetzt will er weg. Ins Ausland, Erfahrungen sammeln für sich und den deutschen Staat, in dessen System er eines Tages treuer Steuerzahler werden wird. Vorausgesetzt, er bleibt nicht am anderen Ende der Welt, weil auch nun er erkennt, dass es sich überall sozialer leben lässt, als in seinem Heimatland. DAS unterstützt seine Pläne nämlich nicht. Er ist gar nichts – weder Schüler noch Student. Kein Auszubildender, kein Arbeitssuchender oder arbeitslos. Formal in der Luft schwebend ist er ein nicht einzuordnendes Nichts,
für den es ab sofort keine weitere Unterstützung mehr gibt. Tja, das ist Deutschland. Ein Land, in dem ich mir als junger Mensch ernsthaft überlegen würde, ob ich noch einmal wiederkomme….
© Petra M. Jansen
