Mail an Heike (5)
Mail an Heike (5)
Liebe Heike,
soll ich mich schämen? Habe ich mich zu heftig ausgedrückt? Zugegeben, um unendlich jung bleiben zu wollen, habe ich versucht, mich anzupassen. So zu sein, wie die Internet-Generation sich darstellt: angeblich frei, ungehemmt. Zugeben: eine blöde Anbiederung. Wenn du wüsstest, meine herrliche Heike, wie feinfühlig ich in Wirklichkeit bin, würdest du blitzartig in mich verknallt sein. Aber weißt du, ich habe Hemmungen, mich so darzustellen, wie ich wirklich bin. Gefühle lässt man nicht gerne los. Man versucht sie für sich selbst zu bewahren, wie ein sehr wertvolles Gut. Du wirst dich sicherlich wundern, wenn ich behaupte, dass ich schüchtern bin. Versuche ich mit einem rüden Vokabular mich selbst zu tarnen?
Es fällt mir schwer, dir so ehrlich zu öffnen, was in mir so brodelt. Gebremsten Leidenschaften? Nein, die Beziehung zu Jenny steht für mich im Mittelpunkt und die Sonne scheint noch immer. Es ist mir wesentlich, dir das zu vermitteln. Desto trotz bin ich gegen eine gewisse Erotik nicht verschlossen. Das Netz gibt mir die Möglichkeit, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Und das genieße ich auch. Unser Austausch sollte das dokumentieren, was wir Menschen wirklich sind: eine merkwürdige Mischung aus Leidenschaft, Hass, Zärtlichkeit und Gewalt. Wenn es mir daran ist, werde ich dir ohne Filter meine momentane Verfassung auf einem Tablett servieren. Dazu gehört die ganze Palette der menschlichen Widersprüche. Wenn es mir wichtig ist, gehört auch Sex und Erotik dazu. Aber nicht nur.
Liebe Heike, lassen wir die Puppen tanzen… Sich auslassen. Besser das, als Krieg zu führen und andere aus Frust zu unterdrücken. Vergessen wir nie, dass ein nicht ausgelebter Sex zur Mord und Totschlag führen kann. Mit Sicherheit ein Makel für die Gesellschaft, wenn „wohlerzogene Jungs“ aus „politischen Gründen“ Frauen und Kinder im Namen einer Ideologie vergewaltigen.
Ich bin traurig. In diesem Sinn.
Dein Jeff, the sexy King of Berlin, der heute alles andere ist, als sexy.
