Archive for Juli, 2012

Risiko!

Mario B., ein Boutiquen-Besitzer, sollte eigentlich jetzt investieren, um seine Steuerlast zu vermindern. Er hatte vor, einen neuen Laden in einer Provinzstadt zu eröffnen. Noch immer sind italienische Klamotten hoch im Kurs. Nach einer eingehenden Marktstudie hat er herausgefunden, dass solch ein Geschäft durchaus eine Zukunft hat. Von den Fakten her, war das Risiko de facto minimal. Das, ausgehend vom heutigen „Ist-Zustand“.

Wie es morgen aussehen würde, kann niemand prognostizieren. Wie würde es mit den Bonitäten der Kreditinstitute stehen? Wären sie bereit ein mittelständiges Unternehmen weiter unter die Armen zu greifen? Zuerst nahm Mario B. Kontakt mit seiner Hausbank auf. Sein Berater, der ihn sonst mit einer bestimmten Lockerheit empfängt, war wie zugeknöpft. Er hatte von seiner Direktion den Auftrag bekommen, Vorsicht walten zu lassen. Kein Geld ohne reichliche Garantien. Früher war es für den Textilkaufmann kein Problem. Mit seinen acht Geschäften hatte er Polster genug. Heute aber genügt das nicht mehr. Könnte garantiert werden, dass die Läden im Fall eines Fiaskos von anderen übernommen würden?

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Lars Anders:Impressionen eines Fahrgastes (13)

Impressionen eines Fahrgastes XIII

Das monotone Rattern der stählernen Räder auf den Schienen übt eine geradezu hypnotische Wirkung auf mich aus. Das auf meinen Knien liegende Buch ignorierend starre ich aus dem Fenster, obwohl es dort draußen außer der Schwärze des Tunnels nichts weiter zu sehen gibt. Mein eigenes Spiegelbild starrt mir bleich und übernächtigt von der Glasscheibe des gegenüberliegenden Fensters aus entgegen. Es ist Montagmorgen und ich bin die Nacht zuvor mal wieder viel zu spät ins Bett gegangen. Irgendwo am Rande meines halbwachen Bewusstseins bekomme ich mit, wie der Zug in den nächsten Bahnhof einfährt und die Türen sich mit einem hydraulischen Zischen öffnen.

Als sich die Bahn wieder ruckend in Bewegung setzt, drohe ich erneute in meinen tranceähnlichen Zustand zu verfallen, der irgendwo zwischen Wachen und Schlafen angesiedelt ist. Auf einmal ertönen direkt neben mir die schiefen Töne eines Akkordeons. Ich gucke erschrocken auf. Im Gang unweit meines Sitzplatzes steht ein breit gebauter Mann mit grau melierten Haaren, der mit großer Hingabe sein Akkordeon bearbeitet. Der Eifer des Mannes mag bewundernswert sein. Sein Können ist es nicht. Nur mit sehr viel Fantasie kann man in den Tönen, die der Musiker aus seinem Instrument herausquetscht, ein bekanntes russisches Volkslied erkennen. Ich verdrehe entnervt die Augen.

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Petra M. Jansen: Junge Leute

Petra M.Jansen - Signet

Junge Leute

Nur Clubbing im Kopf? Feiern bis zum Abwinken?
Klamotten und High Life? Fehlanzeige!
Dieses Jahr kämpften sich wieder viele Schüler durch bis zum Abitur.
Hier waren es 176 und 34 davon erreichten einen Schnitt von „besser als 1,8“.
Fast die Hälfte verbrachte ein Schuljahr im Ausland, sie haben geackert für ihre Zukunft! Eine, für die der deutsche Arbeitsmarkt nicht die besten Perspektiven bereit hält. Geht´s nun weiter auf die Uni oder ins freiwillige soziale Jahr?
Oder etwa in eine Berufsausbildung? Vier Monate haben sie Zeit, sich zu entscheiden und bis dahin wird erst einmal – schon einen Monat im voraus – das Kindergeld gestrichen.
Und auch die Krankenkasse hält die Hand auf…tja, zum Arzt gehen ist nicht mehr, ohne einen Packen Formulare und Neuantrag bei den leeren Kassen.

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Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

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"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – mit dieser Redewendung hat wohl jeder schon einmal lästige Arbeiten auf den nächsten Tag verschoben. Es ist kein Einzelfall, sondern eine regelrechte Volksseuche – die "Aufschieberitis".

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Juli 31st

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Zerfall

Ich habe jeden Morgen Mühe, einen Blick in die Zeitung zu werfen, da ich mir sicher sein kann, dass eine Menge von schlechten Nachrichten mich empfangen wird. Heute früh ist es die Warnung von Jean-Claude Juncker, der Vorsitzender der Euro-Gruppe, der vor den Verfall unserer gemeinsamen Währung warnt. Wie ein Kommentator es richtig beschrieben hat, stehen wir vor dem Elfmeterschießen. Bedeutet, dass wir von der ultimativen Entscheidung angelangt sind? Scheint so zu sein!

Wenn ich nach dieser Nachricht noch Lust habe weiter zu lesen, falle ich auf viel Heiteres, wie der erbitterte Kampf um Aleppo. Bereits mehr als 200 000 Bürger haben ihre Stadt verlassen und versuchen sich zu retten, wie es nur geht. In New York, beim Sicherheitsrat, passiert nichts, Immer wieder das njet von Russland und von China, die weiter Baschar al-Assad unterstützen. Mit einer Lupe versuche ich endlich die gute Botschaft zu finden, die mir für den Beginn der Woche die Laune heben soll. Vergeblich! Dann kommt das Geschäft mit den Spendenorganen. Klar, nur wer Kohle hat, hat eine Chance, gerettet zu werden. Das bedeutet, dass die Medizin sich immer mehr nach geschäftlichen Richtlinien artikuliert. Das trifft zur Zeit einige schwarzen Schafe, aber es ist nicht auszuschließen, dass dieser Trend steigend ist. Unter dem Motto: das Geld regiert die Welt, wird hier gehandelt.

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Fragen an HG Albrecht (15): Hoffnung

Hans-Günter Albrecht

Ist Hoffnung eine Illusion oder ein Lebenselixier?
Hoffnung ist sicher keine Illusion, denn das Leben und die Erfahrungen vieler Menschen zeigen, dass Hoffnung am Leben halten kann, Energien verleiht und immer etwas Positives ist. Hat man keine Hoffnung mehr, dann ist man ohne Leben, ohne Zuversicht, ohne Zukunft.
Zu hoffen lohnt sich sehr oft, wie zahlreiche Beispiele es immer wieder beweisen und zeigen.

Ist Hoffnung mit dem Glauben verbunden?
Das kann so sein, es muß aber nicht zwangsläufig so sein. Vielleicht hilft manchen Menschen der Glaube dabei, das kann ich schlecht beurteilen, ich hoffe auch ohne Glauben. Man hält sich an der Hoffnung fest, sie ist wie ein Anker oder wie ein Rettungsring.

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Juli 30th

Allgemein

Entartete Kunst

Youtube 2010

1937 holten die Nationalsozialisten zum großen Schlag gegen die moderne — oder im Nazijargon: „entartete" — Kunst aus. Im ganzen Reich wurden Kunstwerke beschlagnahmt — auch im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte im Oldenburger Schloss: Nicht weniger als 103 Werke wurden konfisziert; nur drei von ihnen sind bislang wieder ins Museum zurückgekehrt. Nach dem Verbleib der restlichen Werke wurde in Zusammenarbeit mit der Berliner Forschungsstelle „Entartete Kunst" in den vergangenen Monaten am Landesmuseum geforscht.

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Juli 30th

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Der Hass

Gestern habe ich in den Nachrichten einen Mann aus Damaskus gesehen, der den Mord an seinem Sohn beklagte. Er war von Killern getötet worden, weil er zu der schiitischen Gemeinde gehörte. Einfach so, weil er den Frevel beging, in der falschen Familie geboren zu sein. Das Gleiche gilt sicherlich auch für die Sunniten und alle anderen religiösen Gruppierungen, die in Syrien leben.

Machen wir uns nichts vor, wir befinden uns in einem Glaubenskrieg übelster Art. Auf der einen Seite grausame Machthaber, die zu den Alawiten, einer Sekte des Islams, gehören. Sie wissen, wenn sie Schwäche zeigen, werden sie abgeschlachtet. Auf der anderen die Rebellen, unter denen sich immer mehr Islamisten einschleichen. Wenn Bachar al-Assad glaubt, dass er mit den Waffen die Probleme lösen kann, irrt er sich gewaltig. Die schlimme Maschinerie des Hasses ist damit nicht aufzuhalten.

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Roberto Saviano

Youtube 2009

http://www.euronews.net Roberto Saviano ist 29 Jahre alt – und schon weltberühmter Bestsellerautor. Verlegt in 43 Ländern! Aber um welchen Preis: Seit sein Buch "Gomorrha" über die neapolitanische Mafia auf dem Markt ist und auch noch verfilmt wurde, bekommt er Morddrohungen. Im euronews-Interview spricht er über sein ständig bedrohtes Leben.

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Juli 29th

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Wechselbad

Heute Nacht, ein großes Spektakel in der Glotze! Entgegen meiner Absicht habe ich mir die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spielen in London angeschaut. Eine bunte und sehr anregende Show, von Danny Boyle inszeniert, wurde uns angeboten. Nicht das übliche Pompöse… Viel mehr Originalität. England wurde mit Lockerheit vorgestellt und das ganz im Sinn der Popkultur, die dieses Land tief geprägt hat. Dann kam der Auftritt der Sportler aus zahlreichen Ländern. Der erste Eindruck ist für mich das Staunen. Wie bringt das Olympische Komitee es fertig, so viele Nationen unter der Flagge mit den fünf Ringen zu versammeln?

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Morsch!

Schon vor Beginn der Olympischen Spiele wurden Athleten wegen Doping gesperrt. Die Seuche scheint kein Ende zu finden, sei es im Radsport oder anderswo. Was ist der Grund dazu? Sport ist eine Geldmaschine geworden. Es geht nur noch um den Profit. Die Ideale von Baron Pierre de Coubertin wurden schon längst verraten. Kommerz ist omnipräsent und sorgt für den Verfall. Junge Leute werden mit Verträgen geködert, die sie zu Marionetten macht.

Was wir heute in diesem Bereich erleben, ist das Pendant zu der Haltung der Finanzspekulanten, die uns in das Verderben gestürzt haben. Das Wort Moral ist zu einer lächerlichen Hülle degradiert worden. Der Tanz um das goldene Kalb hat die Oberhand gewonnen. Im Klartext: der Sport ist in vielen Fällen ein schmutziges Geschäft geworden. Deshalb sehe ich die Milliarden, die in London ausgegeben werden, mit ziemlich negativen Gefühlen. Die Spiele finden in einem Land statt, das sich am Rande der Pleite bewegt. Die Industrie wurde zu Gunsten der Zocker gekillt. Millionen Menschen müssen befürchten, ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Ist aber scheinbar egal, solange die City durch dunkle Geschäfte eine Unmenge Kohle einkassiert. Alles Blasen im Stil des Börsengangs von Facebook.

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Petra M.Jansen: “Kälte”

Petra M. Jansen

„People“ Gesellschaft & Leute
Fragen an Petra, Thema „Kälte“

Kann Kälte erotisch sein?

Durchaus, Pierre, sofern sie spielerisch eingesetzt wird und ein warmes Herz dahinter steht. Distanziertheit empfinde ich ab und an als sehr erotisch, aber nur in dem Maße, dass es reizvoll sein kann, die „Nuss“ zu knacken und man einen Partner hat, der die feine Gratwanderung zwischen Distanz und Nähe gefühlvoll und sensibel beherrscht. Ansonsten ist emotionale Kälte abtötend und höchst unerotisch.
 
Was drückt für dich Kälte aus?

Generell mag ich keine Kälte, weder menschlich noch Temperatur mäßig.
Ein kalter Mensch ist nicht „in Ordnung“, das kann ich nicht einschätzen. Jeder normale Mensch fährt seine Antennen aus und geht einen Schritt zurück. Kälte ist für mich Vorsicht! Aufpassen!

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Juli 27th

people

Petra M. Jansen