Treffen mit einem Dogmatiker
Der Journalist:
Bedeuten Dogmen nicht einen Stillstand? Zwingen sie uns nicht in ein Korsett, in dem das Denken verpönt ist? Ich muss zugeben, dass ich vor den Dogmen Angst habe. Sie greifen meinen Verstand an und verhindern, dass ich frei handeln kann. Ich möchte mich nicht einvernehmen lassen!
Der Dogmatiker:
Wir zwingen niemand, sich zu fügen. Wer aber sich für ein Dogma entscheidet, sollte es ohne Druck tun. Dann ist es aus meiner Sicht völlig normal, dass der Anhänger sich an die Regeln hält. In den meisten Fällen geht es um Tradition, ohne Willkür. Sie sind ein Hinweis für eine bestimmte Lebensführung.
Der Journalist:
Auch wenn alles normal läuft, empfinde ich die Dogmen als Relikte der Vergangenheit. Sie versperren sich oft dem alltäglichen Leben mit all seinen Widrigkeiten. Kurzum, ich empfinde sie oft als weltfremd!
Der Dogmatiker:
Sie irren sich! Gerade im technischen Zeitalter braucht der Mensch einen Halt. Das kann er nur in einer festen Struktur erfahren. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Religionen oder manche philosophische Bewegung das Dogma verwenden, um ein Gefühl der Einheit zu vermitteln. Und das weitaus über die Grenzen eines Landes.
Der Journalist:
Besteht nicht die Gefahr, dass die Dogmen sich von den Inhalten entfernen? Dass sie sich emanzipieren? Ein Dogma kann doch nur im Dialog entstehen. Und wenn das wirklich der Fall wäre, müsste auf ihn verzichtet werden, da es niemals nur eine Wahrheit gibt.
Der Dogmatiker:
Es gibt aber Tatsachen, die nicht in Frage gestellt werden dürfen. Und die müssen in einer gewissen Ordnung eingereiht werden. Hier spielt das Dogma eine große Rolle. Wer zum Beispiel die Liturgie der katholischen Kirche in Frage stellt, wird sich schwer tun. Es wäre konsequenter, wenn er austritt.
Der Journalist:
Also ist Dogma mit einem gewissen Zwang gleich zu stellen. Warum muss man die Liturgie annehmen, um dazu zu gehören? Wäre nicht eine offene Diskussion wünschenswerter?
Der Dogmatiker:
Die Wahrheit kann und darf nicht zerredet werden.
Der Journalist:
Wie können Sie behaupten, dass es nur eine Wahrheit gibt? Können Sie das beweisen? Ich, für meinen Teil, mache es mir sehr schwer, sie zu analysieren. Ich denke, dass auch sie schwankend sein kann, wie alle Dinge auf dieser Welt.
Der Dogmatiker:
Wer nicht von einer Wahrheit ausgeht, kann nicht existieren. Egal von welcher Natur sie ist. Auch die Anarchisten haben ihre Wahrheit. Und wenn sie einmal vorhanden ist, wird sie dogmatisiert. Das ist die Grundlage eines Zusammenhalts.
Der Journalist:
Aber da besteht die Gefahr, dass das Dogma Mittel zum Zweck wird. Ist das nicht eine Art, Macht auszuüben? Wer sich den Dogmen nicht fügt, wird ausgemustert oder verfolgt. Der nächste Schritt ist die Gewalt. Kriege werden im Namen eines Glaubens geführt, und das lehne ich strikt ab!
Der Dogmatiker:
Ich auch! Das Dogma bedeutet nicht Intoleranz. Dass es nicht immer der Fall ist, leugne ich nicht ab. Aber ich betrachte solche Auswüchse als reine Manipulation. Ich gebe zu, dass Menschen, die eine gewisse Richtung verfolgen, sich leicht einvernehmen lassen.
Der Journalist:
Ihre strikte Lebensart kann Fanatismus hervorrufen. Es wird pauschal verurteilt!
Der Dogmatiker:
Das kann sehr wohl woanders auch geschehen. Das sollten Sie als Journalist wissen. Ich glaube, dass unter dem Stichwort Dogma ganz andere Sachen gemeint werden. Das gilt übrigens auch für den Fundamentalismus. Terrorismus ist zerstörend, was ein Dogma niemals sein sollte.
Der Journalist:
Ist es aber leider! Schon die Vorstellung, dass Gott mit uns ist, verleitet die Menschen zu Handlungen, die bei weitem nicht göttlich sind!
Der Dogmatiker:
Da handelt es sich um undogmatische Wesen! Ohne eine gewisse Moral kann es kein Dogma geben.
Der Journalist:
Ganz schön bescheuert Ihre Aussage. Daran glauben Sie doch nicht wirklich, oder?
//pm
Link zu Thema Dogmatismus:
http://www.philolex.de/dogmatis.htm
