Archive for Dezember, 2011

Die Geschäftsreise

Mister Chong:
Ich habe vor kurzem wieder einmal „Wilhelm Meister“ von Johann-Wolfgang von Goethe gelesen. Ein bemerkenswertes Werk. Hier habe ich wirklich empfinden können, was für die Deutschen so wichtig ist: die Sehnsucht, die Suche nach Idealen, die ständige Angst, sie nie zu erreichen. Das bewegt mich sehr, Herr Meier!

Herr Meier:
Wissen Sie Herr Chong, ich habe Goethe nur in der Schule lesen müssen. Ich habe das als eine Pflicht empfunden. Das hat doch nichts mehr mit der Realität zu tun. Wir beschäftigen uns heute mit ganz anderen Dingen. Es geht vor allem um die Globalisierung.

Mister Chong:
Das hindert uns nicht, in China auf die Vergangenheit zurück zu blicken. Wir sind stolz auf unsere Geschichte, auf unsere Kultur und Kunst. Ohne eine Jahrtausende alte Philosophie wären wir niemals so weit gekommen. Hier finden wir die Kraft, um uns weiter zu entwickeln. Konfuzius bedeutet uns viel und stärkt uns.

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Dezember 31st

Allgemein

Sekttanz der vergessenen Ausstellungsobjekte

von Daniela Schmidt, 27.12.11

Sekttanz der vergessenen Ausstellungsobjekte

Mehr denn je wird in der heutigen Zeit, die Kunst zur narzisstischen Selbstdarstellung des Künstlers. Die bildende Kunst rückt in den Hintergrund und der Markt überläuft sich seit langer Zeit von selbst. Angebot und Nachfrage dominieren das Feld. Was ist schick? Welcher namhafte Künstler stellt aus?

Am Anfang meines Studiums der bildenden Kunst war ich sehr an den Werken interessiert. Ich bin von einer Ausstellung zur nächsten gelaufen und erblickte die ausgestellten Werke mit den Augen eines Kindes. Ich freute mich über die schönen Farben, die Form und Bildgestaltung, über die Motivwahl, Abgründe und Tränen in den Bildern. Die Geschichten und Biografien der einzelnen Maler nahmen mich gefangen. Ich träumte davon, eines Tages mit meiner Kunst Geld verdienen zu können, doch was ich sah, hat mich zutiefst bewegt: vor Ort tanzten hysterische Persönlichkeiten durch die Hallen und würdigten die ausgestellte Kunst nur flüchtig im Vorbeigehen.

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Dezember 31st

Allgemein

Frieder Burda: Stifter, Mäzen, Sammler

Er stammt aus einer bedeutenden Verlegerfamilie und ist heute wohl einer der angesehensten Kunstsammler Deutschlands: Frieder Burda.

Ende der 60er kaufte er sein erstes Bild für 3.500 DM, heute finanziert Burda ein ganzes Museum in Baden Baden. Nach seinem Tod will er seine Sammlung dem Land Baden Württemberg überlassen.

Die öffentliche Hand muss sparen, da sind Kunstmäzene wie der Verlegersohn ein wahrer Segen. Doch auch bei seinen Sammlungen handelt Burda durchaus unternehmerisch: überhöhte Preise lehnt er ebenso ab wie wild explodierende Märkte, lieber setzt er auf junge Künstler. Anlässlich der Art Basel portraitiert Manuela Kasper-Claridge einen leidenschaftlichen Kunstsammler, spricht mit ihm über den Kunstmarkt und über die Bedeutung privater Kunstförderung.

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Dezember 31st

Videos

Kultur ist ein Politikum!

Schauen wir in die Vergangenheit. Ausgerechnet General de Gaulle war sich über die Stellung der Kultur innerhalb der Politik sehr bewusst. Nicht ohne Grund ernannte er André Malraux als Minister. Dieser Bereich an erster Stelle in der Regierungshierarchie, vor dem Innenministerium oder dem auswärtigen Amt.
Der alte Stratege hatte seine Gründe dazu. Neben seinem umfangreichen Wissen hat er sehr schnell erfasst, welche Bedeutung die Kultur für die Stellung Frankreichs in der Welt hat. Sie verleiht der großen Nation Prestige und Ansehen. Deshalb tat de Gaulle alles, um sie aus dem Morast einer maroden Bürokratie zu retten.

Solch ein Denken vermisse ich in Deutschland. Wir haben hier einen tollen Fundus an kulturellen Aktivitäten und an Kreativität. Er ist in manchen Bereichen einzigartig. Wir bräuchten nur nach den erbrachten Leistungen zu greifen, um unser Image aufzupolieren. Das tun wir aber nur unzureichend.

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Dezember 31st

Pierre's Meinung

Brief an Ron Hard

Lieber Ron,

heute nehme ich Bezug auf dein Tagebuch. Wenn ich mir die Nachrichten so anschaue, kommt bei mir vielleicht keine Wut auf, aber Unbehagen..Wie du weißt, suche ich mir jeden Morgen Themen für die Kommentare aus. Bisher hatte ich kaum die Chance, über eine positive Entwicklung zu sprechen. Es gab nur Wolken am Horizont. Ich frage mich immer wieder, wie wir im Stande sind, das alles zu ertragen. Aber man muss auch relativieren können.

In der Mediengesellschaft bekommen wir jede Minute unverdaute Nachrichten nach geworfen. Es gilt für die Presseorgane Schlagzeilen zu machen, um Aufmerksamkeit zu erwecken. Die Konsumenten sind schwer zu fangen, da sie sich an dieser Flut von Hiobsbotschaften ganz einfach gewöhnt haben. Und wenn sie wie heute früh fehlen, regt man sich über Dinge auf, die zwar wichtig sind, aber nicht die Welt bewegen, wie zum Beispiel die Hausdurchsuchung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo. Ein Angriff der Militärs gegen Menschenrechtsorganisationen. Das dass nicht den Regeln eines fairen internationalen Umgang entspricht, brauche ich nicht weiter zu erwähnen. Aber vom Stuhl reißt mich diese Nachricht nicht!

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Dezember 30th

Pierre´s Special

Von Angesicht zu Angesicht: Vor dem PC

Der PC:
Komm Dorothea, sei doch nicht so bescheiden. Du solltest für nächste Weihnachten schon die Kugeln für den Baum bestellen. Man muss immer voraus denken. Ich habe im Angebot tolle Töpfe für die Pasta. Damit könntest du eine ganze Armee ernähren.

Dorothea:
Seit Heinrich gestorben ist, bin ich auf mich selbst angewiesen. Da ich nie jemand einlade, brauche ich diese Töpfe nicht, lieber PC.

Der PC:
Dafür Taschentücher, wenn du traurig bist. Ich haben hier ein Los von hundert Stücken aus feinster Seide. Die sind 50% heruntergesetzt.

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Dezember 30th

Allgemein

Am Rande des Abgrunds

Schon erstaunlich: die Stimmung der Wirtschaft für das 1. Quartal des Jahres 2012 ist positiv. Wenn man das erfährt, kommt der Eindruck auf, dass die Bosse entweder blind sind oder Zweckoptimismus verbreiten. Das überträgt sich auf die Konsumenten, die hemmungslos die Warenhäuser stürmen.

In Interviews sagen viele Verbraucher, dass sie vor einem großen Zusammenbruch keine Angst haben; dass sie die Entwicklung für sich selbst eher stabil sehen. Da frage ich mich, in welcher Welt ich mich befinde. Auch wenn ich diese Zuversicht als aufbauend empfinde, befürchte ich, dass das Erwachen eines Tages sehr böse sein wird.
Was lässt mich das ahnen? Die Wirtschaft ist auf die Kredite, die sie aufnehmen muss, um expandieren zu können, angewiesen. Sie muss sich Spielräume einräumen, um investieren zu können. Die Zeiträume zwischen den Lieferungen und den Einnahmen müssen einkalkulieren werden.

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Dezember 30th

Pierre's Meinung

Die Mission von Homs: eine Farce?

Wenn der Chef der Mission der Arabischen Liga behauptet, dass es in Homs nichts beängstigend zu verzeichnen sei, ist das eine Farce. Aber hier gibt es nichts zu lachen. Menschen werden wie Kaninchen erschossen. Sind die Aufnahmen, die im Netz zu sehen sind, gestellt? – Man könnte es meinen!

Dass das nicht so ist, ist jedem vernünftigen Beobachter klar. Eigentlich auch denen der Untersuchungsmission. Aber sie verhalten sich zurückhaltend, weil sie schon ahnen, was teilweise hinter den Aufstand steckt: die Hand von Al Quaida. Die Attentate von Damaskus am Weihnachtstag haben dies klar gestellt. Durch das brutale Vorgehen von Bashar al-Assad gab es zweifellos eine Eskalation. Anstatt demokratische Mittel anzuwenden, betreibt er Gewalt.

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Dezember 29th

Pierre´s Special

Lars Anders: Cogito ergo sum

Die Überreste einer alten Tageszeitung wehten in der Zugluft träge über den leeren Bahnsteig der U-Bahnstation. Das durch die Treppenaufgänge einfallende Tageslicht wich nach wenigen Metern der dämmrigen Beleuchtung der Deckenlampen, die die heruntergekommene Station in ein gnädiges Zwielicht hüllten. Langsam kroch der große Zeiger der alten Bahnhofsuhr einen Schritt weiter. Ich starrte das Ziffernblatt an, als ob ich durch bloße Willensanstrengung, die Zeit dazu bringen könnte, schneller zu vergehen.

Ungeduldig wippte ich auf den Zehenspitzen auf und ab. Zum wiederholten Male holte ich mein Handy hervor und blickte prüfend auf das Display. Aber ich hatte in den letzten Minuten weder eine sms noch eine eMail bekommen. Ich hasste den Gedanken, möglicherweise versetzt worden zu sein.

Verärgert blickte ich auf den Strauß roter Rosen, den ich mir extra für mein heutiges Date gekauft hatte. Wieder wanderten meine Gedanken zu der Frau, die ich eigentlich vor einer halben Stunde auf diesen Bahnhof hatte treffen wollen.

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Dezember 29th

Kurzgeschichten

Lars Anders

Weißt Du noch?

Weißt Du noch?

Weißt Du noch
Wie es war damals?

Wenn Vati nach dem Sonntagsbraten sagte
Hat das gut geschmeckt, Mutti!
Und wir dann zusammen vor dem Fernseher saßen
Und Vati die Mutti im Arm hatte.

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Dezember 29th

Allgemein

Durch die Kristallkugel!

Frau Kristallkugel:
Ich habe es satt, Wahrheiten zu verbreiten, die eigentlich nur Lügen sind. Jeder Arsch ist in der Lage, selbst etwas zu interpretieren. Es gibt nur eines, was ganz bestimmt kommt: Der Tod! Aber wenn ich nur das voraussehen würde, könntest du deinen Laden schließen, Felicia! Damit lässt sich keine Kohle machen.

Die Wahrsagerin:
Versaue mir nur nicht das Geschäft. Wie sollte ich mir sonst den Glasreiniger leisten können, um dich immer wieder auf Trab zu bringen? Wärst du trüb, könntest du nicht in die Zukunft schauen.

Frau Kristallkugel:
Ich könnte leicht darauf verzichten! Immer die gleiche Leier: die Karriere, die Liebe und vor allem das Geld! Das nervt, glaube es mir! Was erwarten die von mir? Das ewige Glück? Du weißt genau, dass das unmöglich ist. Warum sagst du ihnen nicht die Wahrheit?

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Dezember 29th

Allgemein

Peter Reuter: Ganz oder gar nicht…

Ganz oder gar nicht – oder doch nicht…

Meine Frau hat einen Lieblingsfilm, welcher mir ebenfalls nicht schlecht gefällt. Ich muss zugeben, das ist ein mehr als guter Streifen mit dem Titel „Ganz oder gar nicht“. Eine Gruppe von Arbeitslosen beschließt, einen Striptease-Abend einzustudieren und aufzuführen. Das ganze Procedere ist als Befreiungsschlag hinsichtlich der angestrengten finanziellen Lage gedacht – und es klappt. Den Film, eine DVD schenkte ich ihr aus purem Leichtsinn zur vorherigen Weihnacht, haben wir bereits mehrmals gesehen, er gefällt immer noch und immer wieder, ganz ehrlich.

Mittlerweile gibt es sogar ein Theaterstück, welches von meiner Frau und ihren Freundinnen besucht wurde. Diese Veranstaltung fand bei den Damen breite Zustimmung. Ich selbst kann dazu nichts sagen, ich durfte nicht mit.

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Dezember 29th

Allgemein