Von Angesicht zu Angesicht: Im Unterricht

Hansi:
Herr Lehrer, warum sollen wir derart schuften, wenn es nur für die Katz ist?

Der Lehrer:
Allein mit viel Wissen kommst du gut durch. Mit einer anständigen Arbeit wirst du in der Lage sei,n eines Tages deine Familie ernähren zu können. Wer nichts gelernt hat, bleibt stecken…

Hansi:
Mein Vati sieht das anders. Seit er an der Börse spielt, fragt er sich, warum er dieses ganze Theater mitmachen musste. Er ist den ganzen Tag vor seinem PC und trägt seine Gewinne in ein Büchlein ein. Easy! Er geniest es, nicht mehr in einer Firma arbeiten zu müssen. „Bub, wenn es anders geht, nütze die Gelegenheit aus!“

Der Lehrer:
Dir ist aber schon bewusst, dass es auch schief gehen kann! Das Glück kann nicht ewig anhalten.

Hansi:
Das hat Vati eingeplant. Clever wie er ist, hat er für die Zukunft gesorgt. „Wenn alle Stricke reißen, wird der Staat schon für uns sorgen, Bub.“ Da sehen Sie, Herr Lehrer, dass es absolut unnötig ist, sich einen Kopf zu machen. Ich will vor allem das Leben genießen.

Der Lehrer:
Der Mensch findet sein Glück in der Arbeit. Er will etwas leisten; sich verwirklichen. Das geht aber nicht, wenn du den ganzen Tag an der Börse herum zockst. Das musst dir klar sein. Es gibt wichtigeres als das Geld.

Hansi:
Das sagen Sie. Aber ohne Kohle ist der Ofen aus. Das müssten Sie wissen. Wie wollen Sie sich etwas leisten, wenn Ihr Portemonnaie leer ist?

Der Lehrer:
Hansi, der Konsum ist eine Sache, aber es gibt Werte, auf die du nicht verzichten solltest. Dazu gehört auch die Liebe.

Hansi:
Glauben Sie wirklich, dass die Frauen auf Penner scharf sind? Wenn Ebbe angesagt ist, kann man auf die Liebe pfeifen. Das sagt Vati. Seine Alte, die auch meine Mutter ist, hat das Weite gesucht, weil er ihr damals keine neue Waschmaschine kaufen konnte.

Der Lehrer:
Das Leben besteht nicht nur aus Waschmaschinen. Ohne Gefühle wäre das Leben mehr als öde. Gefühle können allerdings nicht gekauft werden.

Hansi:
Man kann viel Geld haben und dennoch etwas empfinden. Nichts spricht dagegen!

Der Lehrer:
Aber wenn sich alles um das Geld dreht, werden Sehnsüchte erstickt!

Hansi:
Das hat meine Mutter nicht so gesehen. Das ständige Erbsen-Zählen ging ihr auf den Keks. Das kann ich sehr gut verstehen. Jetzt lebt Vati auf großem Fuß. Und wenn er keine Kohle hat, leiht er sie sich.

Der Lehrer:
Wer auf Pump lebt, lebt auf einem Vulkan!

Hansi:
Lieber das, als seine Existenz nur mit Sparstrümpfen zu verplempern! Verstehen Sie nicht, dass wir leben wollen? Und wenn nichts mehr geht, bleibt uns noch immer die Kugel zur Verfügung.

Der Lehrer:
Schminkt dir das ab! Ist das eine Perspektive? Du solltest Vernunft annehmen und fleißig deine Aufgaben machen.

Hansi:
Herr Lehrer, Sie sind ein Spießer. Wer so denkt wie Sie, gerät unter die Räder.

Der Lehrer:
Arbeit macht frei!

//pm

zum Thema Entwertung der Arbeit:
http://www.sz-online.de/
http://www.welt.de/politik/
http://www.lebens-phase.de/Wie-Arbeit-entwertet-wird

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November 5th

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