Der Rettungsschwimmer kann nicht schwimmen!
Ich hatte heute Nacht einen Alptraum: ich war dabei, meine Bahnen in einem Schwimmbad zu absolvieren, als ich mich plötzlich schlecht fühlte. Ich hatte nicht die Kraft, mich bis zum Rande des Beckens zu bewegen. Es gab keine andere Lösung, als nach Hilfe zu schreien. Der Bademeister nahm zwar Notiz davon, aber rief mir zu, dass er nicht in der Lage sei mir zu helfen, da er nicht schwimmen konnte. Was dann geschah, kann ich nicht mehr sagen, da ich schweißgebadet aufwachte.
Ich hatte keine Mühe, diesen Traum zu interpretieren. Bevor ich zu Bett ging, hatte ich die Nachrichten in der Glotze gesehen. Einmal wieder war Griechenland und die EU am Sterben. Die Staatsoberhäupter sprachen vom Ernst der Lage, und dass sie natürlich alles unternehmen würden, um den Euro zu retten. Eine Litanei, die sie immer wieder wie einen Rosenkranz herunter beten. Aber wenn ein böser Journalist die Frechheit hat zu fragen wie, schauen sie blöd in die Kamera.
Ich habe dabei festgestellt, dass alle Rettungsschwimmer nicht schwimmen können. Das ist nicht sehr erbauend für all diejenigen, die am Ertrinken sind. Es werden zwar Beschlüsse verabschiedet, aber sie sind von minimaler Lebensdauer. Anstatt den Stier an den Hörnern zu packen, lassen sie sich von den Börsen in den Schlamm manövrieren. Und während der Karren noch im Dreck steckt, suchen sie nach Entschuldigungen. Das ist ihre Art, Europa aufzubauen.
Oberschwimmerin Angela dämpft ständig die Erwartungen, die man in sie setzt.
„Heute ist nicht mit einer Entscheidung zu rechnen!“, – und wenn sie doch fällt, weiß sie, dass sie nur von kurzer Dauer sein wird. Es ist mir klar, dass von ihr keine neuen Impulse zu erwarten sind. Sie leidet ständig unter der Angst, in ein Fettnäpfchen zu treten. Sie spielt auf Zeit, aber merkt nicht, dass diese schon längst abgelaufen ist.
Ich weiß, ich wiederhole mich wieder einmal. Schon öfter haben ich mich mit diesem desolaten Zustand auseinander gesetzt, aber jetzt habe ich den Eindruck vor einer Implosion zu stehen. Es hat keinen Sinn, schönes Wetter anzusagen, wenn sich ein gewaltiges Gewitter anbahnt. Wir stehen vielleicht am Rand des Abgrundes und haben nicht die Kraft, uns in Sicherheit zu bringen.
Was sind die Ursachen? Das politische Personal zeigt nicht mehr die Bereitschaft, seine Haut für die res publica zu riskieren. Es geht viel mehr um die Karriere, um das Ansehen. Sie wollen wiedergewählt werden, und allein das zählt. Hinzu kommt bei vielen ein dramatischer Mangel an Sachkompetenz. Eitelkeit kann das nicht kompensieren. In bedrohlichen Zeiten kommt das Unvermögen der Verantwortlichen besonders deutlich zum Vorschein.
Das ist nicht gerade beruhigend.
Um mir ein wenig Ordnung im Schädel zu verschaffen, will ich die Maßnahmen aufzählen, die für mich als überzeugter Europäer von Nöten sind.
Ich denke, dass die einzige Lösung für Griechenland ein Schuldenerlass sein kann. Aus eigener Kraft kann nichts mehr geschehen. Parallel dazu sollte die dortige Wirtschaft angekurbelt werden. Gelder sollten nur dort fließen, wo eine Rendite zu erwarten ist. Alles andere ist mehr oder weniger Selbstmord!
Dieses Modell sollte auch für die anderen, gefährdeten Länder gelten. Man kann sich zu Tode sparen. Aber wie man weiß: Tote sind endgültig tot.
Zum Thema Finanzwelt würde ich das unterstreichen, was Altkanzler Schmidt immer wieder sagt: die Investmentbanken sollen von den Servicebanken getrennt werden. Mit unseren Geldern darf nicht gezockt werden! Das bedeutet, dass die Staaten endlich bestimmen, wohin die Reise geht. Dass das nicht der Fall ist wissen wir leider.
Wenn Europa weiter zögert, eine zentrale Regierung in Sachen Wirtschaft und Soziales zu installieren, werden wir alle den Bach runter gehn. Nationale Initiativen sind nur noch Kleckereien und führen zu nichts.
Diese Wahrheit gilt es den Wählern klar zu machen. Ein Land allein kann in diesem Weltsystem nicht mehr bestehen. Das wissen die Rettungsschwimmer, aber zögern, in das kalte Wasser zu springen. Aus Angst sich zu erkälten? Vielmehr weil sie nicht in einem größeren Gewässer schwimmen können.
Sehr ermunternd!
//pm
zum Thema Führungskompetenz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Führungskompetenz
http://www.e-fellows.net/
