Die Quadriga und der deutsche Schäferhund…
Sie mussten heute etwas länger auf die Rubrik warten. Das lag an mir und dem Auftrag, welcher mir von der Geschäftsführung eines wichtigen und führenden Verlages auf beide meiner Augen gedrückt wurde. Ich habe gefälligst sofort, lückenlos und schnell die Sache mit der Quadriga, dem Herrn Putin und mit der Werkstatt für Deutschland zu klären – und es ist mir gelungen.
Zunächst habe ich mir eine neue Persönlichkeit zugelegt, nannte mich Günther (absichtlich mit h) Fallraaf (absichtlich mit F). Dann legte ich mir als Verwandschaft eine Schwippschwagerschaft der 16. Kategorie mit dem amtierenden Verkehrsminister zu, weil dieser in der Werkstatt eifrig mitarbeitet. Das Studium der bisherigen Preisträger ließ sich durch Wikipedia bewerkstelligen. Da waren schon einige erwähnenswerte und auch bewundernswerte Menschen dabei, Hut ab. Dies scheint zu Zeiten gewesen sein, als die „Deutschen Burschenschaften“ noch nicht die Herrschaft über die Werkstatt übernommen hatten. Macht aber nichts, der Hinweis auf meinen Schwager im Zentralkomitee führte zu einer nicht befristeten Anstellung als Bürohilfskraft. Die Arbeit war interessant und abwechslungsreich, ich wurde als Springer eingesetzt. Eine Tätigkeit, hausintern auch „Axel Cäsar“ genannt, sie beinhaltete neben der Niederschrift der Protokolle ebenfalls die Registratur – der Weg zur wahrhaftigen Wahrheit öffnete sich in Windeseile. Selbstverständlich war ich Protokollführer, als in der entscheidenden Sitzung des Vorstandes dieser Werkstatt für Deutschland über die Preisträger für das Jahr 2011 entschieden wurde.
Jawohl, ich war dabei. Heute ergreife ich die Gelegenheit, für das berufende Gremium eine Lanze zu brechen, Partei zu ergreifen und zu erläutern, warum der Herr Putin eine gute Wahl gewesen ist, welche sich das Zentralkomitee alles andere als leicht gemacht hatte. Das Protokoll der Sitzung befindet sich in meinen Händen, ich werde jetzt daraus zitieren….
Auszug aus dem Protokoll:
Zunächst informieren wir das Haus nochmals über die Kriterien, welche zu beachten sind. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten oder Gruppen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, die durch ihr Engagement ein Zeichen für Aufbruch, Erneuerung und Pioniergeist gesetzt haben sollen. Vorbilder für Deutschland und Vorbilder aus Deutschland wollen wir ehren, Vorbilder, welche "der Aufklärung, dem Engagement und dem Gemeinwohl verpflichtet" sind.
Alle der vorgeschlagenen Persönlichkeiten erfüllen die genannten Punkte seit vielen Jahren auf vorbildliche Art und Weise. Hier sind die eingereichten und geprüften Vorschläge:
Herr Dr. h.c. J. Blatter
Herr Dr. h.c. J. Ackermann
Herr Dr. h.c. M. Gaddafi
Das Königshaus von Saudi-Arabien (alle)
Herr Verteidigungsminister der Elfenbeinküste
Herr Dr. h.c. Walther Heckler-Koch
Herr T. Sarrazin, Erfolgsautor
Herr Dr. Dr. h.c. Putin, Kaiser und Zar von Russland
Da bei der Erfüllung der Voraussetzungen keine Unterschiede erkennbar sind, sollte ein weiteres Differenzierungsmerkmal hinzugezogen werden. Das Präsidium hat sich für den deutschen Schäferhund entschieden.
Herr Dr. Blatter scheidet aus, er besitzt zwar einen deutschen Schäferhund (seine Behauptung), der Name des Tieres hat dasselbige als nicht geeignet erscheinen lassen. Es hört auf den Namen Bakschisch.
Herr Dr. Ackermann scheidet aus, er hat sich für eine Kreuzung entschieden, ein Rudel aus Wölfen und Windhunden.
Herr Dr. Gaddafi kommt nicht in Betracht. Er soll einen deutschen Schäferhund besessen haben. Man munkelt, aufgrund der angespannten Versorgungslage in seinem Land habe er diesen am Montag gegessen.
Das Königshaus kommt leider ebenfalls nicht in Betracht. Neben zweier Windhunde, diese sollen ein Geschenk eines Herrn Blatter sein, daneben verfügt man in nennenswertem Umfang lediglich über Dromedare. Mehrere dieser Tiere tragen deutsche Namen, so zum Beispiel Helmut, Guido, Angela und Horst. Das Präsidium hält dies nicht für einen adäquaten Ersatz des geforderten Schäferhundes.
Der Herr Verteidigungsminister der Elfenbeinküste konnte nicht befragt werden, er befindet sich seit letzter Woche auf einer Kreuzfahrt mit seinem neuen Torpedoboot. Das Boot ist zwar aus Deutschland, es soll aber nicht bellen können.
Herr Walther Heckler-Koch muss leider absagen. Dringende Geschäfte haben ihn für längere Zeit nach Arabien gerufen.
Der Herr Sarrazin und sein Schäferhund scheiden aus, beide haben keine Zähne mehr. Das ist kein schönes Bild.
Das Präsidium hat sich nach reiflicher Überlegung für den Herrn Dr. Dr. Putin entschieden. Neben aller Voraussetzungen gemäß unserer Statuten hat er in Russland dem Markt zum Durchbruch verholfen, ihn zum bestimmenden Faktor gemacht. Ferner unterstützt er in grandioser Art und Weise die notleidende deutsche Wirtschaft. Besonders erwähnenswert ist der Energiesektor. Auch für die sportliche Bildung investiert er nicht unerheblich, denken sie nur an Schalke 04.
Besonders freut sich das Präsidium darüber, dass der Herr Putin einen deutschen Schäferhund besitzt. Dieser trägt, es ist nicht zu glauben, einen deutschen Namen. Der Hund heißt Gerhard. Wenn das keine Argumente sind, was dann…
Soweit das Protokoll. Es ist also alles mit rechten Dingen zugegangen. Keiner hätte sich aus dem Gremium verabschieden müssen, keiner hätte seinen Preis zurückgeben müssen, keiner hätte damit drohen müssen, wenn – ja, wenn. Hätte das Haus vorher von Gerhard gewusst und darüber offensiv berichtet, alles wäre gut. Ist es aber nicht, nur Gebell und Kläfferei ist zu hören – über eine Entscheidung, welche keiner so richtig verstehen konnte. Wau, oder Wuff, wie sie wollen…
© Peter Reuter


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Und hier haben wir wieder einen echten Peter Reuter! Diese kleinen, versteckten, feinen Seitenhiebe, das ist künstlerische Satire auf feinstem Niveau! Großes Kompliment. Und Wau + Wuff!