Speakers´Corner: Anton (Bio-Bauer)

Ich bin seit einigen Jahren Bio-Bauer. Die Umstellung war nicht einfach. Ich musste von Grund aus neu denken. Ohne eine umfangreiche Fortbildung ist das nicht zu meistern. Um alles richtig zu machen, musste ich zuerst meine Felder brach liegen lassen, damit sich die Erde entgiftet. Jahrelang hatte ich Chemikalien verwendet, um die Schädlinge zu bekämpfen.
Es war mir bewusst, welche Opfer ich von meiner Familie verlangte. Die neue Richtung, die ich gewählt hatte, kostete ein kleines Vermögen. Wir mussten eine Zeit lang auf Erträge verzichten. Dazu kam eine große Steigerung des Arbeitseinsatzes. Bio-Landwirtschaft ist personalintensiver. Was früher im Handumdrehen ging, wurde jetzt zur Last. Dennoch entschied ich mich zu diesem Schritt, weil ich der Ansicht bin, dass die Natur geschont werden muss. Als Landwirt habe ich die Verpflichtung, für die Zukunft zu sorgen. Ich bin ein entschiedener Gegner jeder Art von Manipulation – von der Gen-Technik bis hin zum Klonen von Tieren! Es geht hier nicht nur um Ethik, vor allem aber um die Gesundheit der Menschen. Auch wenn sie nicht unmittelbar etwas merken, können die Auswirkung solch eines Vorgehens nicht definiert werden. Kann sich unser Erbgut wandeln? Niemand konnte mir bisher eine befriedigende Antwort darauf geben. Eines müsste klar sein: der Verbraucher steht an erster Stelle, egal aus woher er kommt.
Normalerweise sollte es nur noch biologische Landwirtschaft geben, aber aus wirtschaftlichen Gründen ist es nicht sofort zu bewältigen. Eines muss gesagt werden: wer Qualität verzehren möchte, muss dafür bezahlen. Da mein Aufwand viel größer ist und der Ertrag weitaus niedriger, muss dies durch höhere Preise abgefedert werden. Meine Familie muss doch auch leben! Es ist unmöglich, Billigangebote zu machen.
Ich erkenne, dass dies ein soziales Problem ist. Bedeutet das, dass nur die Wohlhabenden gesünder leben dürfen? Das kann nicht 100% verneint werden. Ich gebe gern zu, dass mich das stört, aber ich kann nicht nur Verluste machen. Hier geht es um Grundsätzliches! In Deutschland wird weit weniger für die Nahrung ausgegeben als zum Beispiel in Frankreich. Dafür viel mehr für Elektronik! Ich denke, dass neue Prioritäten gesetzt werden sollten. Aber das ist schwierig in einem Land, in dem die Esskultur weitaus nicht so wichtig ist wie bei unserem Nachbar. Hier wird gegessen um satt zu werden: dort des Genusses wegen!
Es ist mir schon klar, dass sich etwas in dieser Richtung bewegt, aber eigentlich fast nur in bürgerlichen Kreisen. Ist Essen eine Statusfrage? So scheint es zu sein! Aber eines muss ich anerkennen: in den letzten Jahren wird viel getan, um die Menschen über die Risiken einer intensiven Landwirtschaft aufzuklären. In den Medien wird regelmäßig darüber berichtet. Viele Leute sind ganz gut informiert, aber was nützt es, wenn sie sich aus Preisgründen die Produkte nicht leisten können?
Um der Sache gerecht zu werden, verkaufe ich fast alles bei mir auf dem Hof. Nur so kann ich vernünftigere Preise anbieten, da ich die Zwischenhändler ausgeschaltet habe. Das geht aber nur, wenn der Betrieb überschaubar ist. Die Erzeugnisse, die ich nicht direkt verkaufen kann, gehen zur lokalen Gastronomie. Sie kann den Gästen Bioküche anbieten, was ein Plus ist.

Was würde ich einem Bauer empfehlen, der sich umstellen will?
Er muss zuerst alles neu denken, – von den Erzeugnissen bis zu deren Vertrieb. Das Konzept muss global angelegt werden. Hier ist es sehr wichtig zu wissen, in welche Richtung man gehen will. Auch wenn eine Vielseitigkeit der Produkte notwendig ist, darf der wirtschaftlicher Aspekt nie aus den Augen gelassen werden. Was nützt ein Bio-Bauernhof wenn er nicht zu halten ist?
Für meinen Teil werde ich mich in Zukunft vor allem nur um Rinder kümmern. Mein Nachbar, um Gemüse, der andere um Obst! Wir wollen uns zusammentun und einen Bioladen einrichten. Nur so kommen wir weiter.
Ich denke, dass es gut ist, wenn die Bauern zusammenarbeiten.

pm

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April 27th

Pierre's Meinung


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