Yellow Press
Die Yellow Press hat die Aufgabe, ständig neue Schlagzeilen zu produzieren. Das Leben der Promis wird durchleuchtet, der Leser nach Gusto manipuliert. Eine Prise Glamour; eine Prise Skandal, und so entsteht ein Cocktail aus Halbwahrheiten und Interpretationen, die unterhaltsam sein können.
Dass solch ein Konstrukt unberechenbar ist, musste Karl-Theodor zu Guttenberg bitter erfahren. Er bemühte sich sehr, den Strahlemann zu spielen. Vornehm, lauter, ehrlich – das war das Image, das er mit Hilfe der Yellow Press vermitteln wollte. Er schien alle Hebel des Marketings zu beherrschen. Seine Frau unterstütze ihn dabei. Kein Anlass wurde ausgelassen, um von sich reden zu machen. Selbst Afghanistan wurde als Kulisse benutzt. Durch enge Kontakte mit einigen Organen wurde nur das Positive hervorgehoben. Jede Schattenseite wurde heruntergespielt. Es waren immer die anderen, die böse Gerüchte verbreiteten. Guttenberg wurde zum möglichen zukünftigen Kanzler hoch stilisiert. Diese Hymnen müssen ihm den Sinn für die Realität genommen haben. Er war zum Monument geworden und betrachtete sich auch als solches! Dabei wurde er von den Klatschjournalisten aktiv unterstützt.
Die größte Boulevard Zeitung der Republik wollte unbedingt mehr Einfluss auf die Politik ausüben. „Der Freiherr ist jung, clever, gerissen…“ Das wurde dem Volk ständig eingepaukt. Und da die Leute beeinflussbar sind, haben sie dieses Märchen geschluckt. Die PR-Arbeit des ex-Doktors war in dieser Hinsicht zuerst sehr effektiv. Das junge Ehepaar stilisierte sich für zahlreiche Bürger zur Traumfamilie. Vorbilder, die etwas schaffen, sind beruhigend. Sie sind das Sinnbild des Unerreichbaren. Mit gezielter Intimität wird das Gefühl von Transparenz vermittelt. So wurde zu Guttenberg eingestuft. Als die Nachricht kam, dass es bei seiner Dissertation geschummelt hatte, wollten die Leser der Yellow Press das nicht wahr haben. Sie gingen so weit, zu behaupten, dass das nur eine Lappalie wäre. Kein Grund für ihn, sofort das Handtuch zu werfen!
Mit seinem Niedergang hat der ex-Minister viele Träume vernichtet. Das wollte man nicht wahr haben! Im Gegenteil! Wer sich mit den Mitteln der Publizistik profilieren will, muss immer damit rechnen, dass sehr schnell Gegenwind aufkommen kann! Das erfährt auch Nicolas Sarkozy, der seine Frau wie eine Ikone vorführt. Nach und nach wurde mehr über sein Privatleben gesprochen, als über seine Politik. Schnell wurde er in vielen Teilen der Bevölkerung als oberflächlich eingestuft. Einer, der nur eines will: dass man über ihn spricht, egal in welchen Zusammenhang. Das ist Gift für die Kunst des Regierens!
Der Fall zu Guttenberg sollte nachdenklich stimmen. Es wäre wünschenswert, dass die Politik sich ausschließlich mit Inhalten befasst, aber in unserem Medienzeitalter ist das einfach nicht möglich. Wer an die Macht will, muss ständig Komödie spielen. Das kostet viel Zeit, die besser in Sachfragen investiert würde. Zugegeben: auch ich war fasziniert über die Art und Weise, wie die Familie Obama sich darstellte. Aber bald kamen Zweifel auf, ob das Image tatsächlich den politischen Hoffnungen entspricht. Von einem Idol wird das Unmögliche verlangt. Die Hoffnungen werden so hoch geschraubt, dass ein Gelingen fast unerreichbar ist.
Das ist die bittere Erkenntnis der Kongresswahlen des vergangenen Novembers. Da die Yellow Press vom Volk abhängig ist, passt sie sich in Windeseile an und lässt ihre Stars hemmungslos fallen. Das könnte auch bei dem Freiherrn der Fall sein, sei denn er ist eine leuchtende Ausnahme!
pm
